Sommersakristei

© Foto Augustin Baumgartner, Graz; © by Stift Melk

Die Sommersakristei

Die durch einen Brand notwendig gewordene Sanierung der alten Abtsakristei, heutige Sommersakristei, im Jahr 1701 stellte den Auftakt zum anschließenden völligen Neubau der Stiftskirche Melk dar.

Mit der Innenausstattung der Sommersakristei beauftragte Abt Berthold Dietmayr den italienischen Theateringenieur und Architekten Antonio Beduzzi, der auch die Fresken malte. Der Stuck stammt von Johann Jakob Castelli, die Tischlerarbeiten von Franz Andre Pogner und die Holzbildhauerarbeiten am Altar, Lavabo und an den Sakristeischränken von Michael Joseph Höchenwaldt.

Am Altar steht das Kreuz – das „lignum vitae“, das Holz des Lebens, wie es in der Inschrift darüber zu lesen ist – im Mittelpunkt. Das Kreuz, um das sich ein Baum windet, ist von zwei Säulen flankiert, die mit Rosen-, Dornen- und Palmenkränzen umwunden sind als Zeichen für Leben, Sterben und Sieg. Zeichen des Leidens Jesu (Nägel, Schweißtuch Veronikas) weisen auf das Kreuzesgeschehen hin.

Das Relief auf der Altarmensa zeigt das Gottesurteil durch das das sog. Melker Kreuz, eine Kreuzreliquie, die seit der Babenbergerzeit im Besitz des Klosters ist, nach einem Diebstahl 1170 zurück nach Melk gelangte: Das Kreuz neigte sich zum Melker Abt hin.

Das Tabernakeltürchen aus dem Jahr 1980 stammt von Josef Strohmaier und stellt Jesus mit den Emmausjüngern dar.

Das Thema der Deckenfresken der Sommersakristei ist die Eucharistie, ein für eine Sakristei nahe liegendes Thema, das ja auch mit dem Kreuzestod Jesu in Verbindung steht.

Im Deckenfresko des ersten Jochs ist ein Altar zu sehen, auf dem ein Opferfeuer brennt und eine Monstranz mit einer eucharistischen Hostie steht, die das Alte und das Neue Testament symbolisieren. Die Inschrift auf dem Altar „Non ignoto Deo“ (dem nicht unbekannten Gott) spielt auf die Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag an, bei der er den Athenern zuruft: „Als ich durch die Straßen eurer Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, stieß ich auf einen Altar mit der Inschrift: ‚Für einen unbekannten Gott‘. Ihr verehrt also ein göttliches Wesen, ohne es zu kennen. Nun, gerade diese euch unbekannte Gottheit verkünde ich euch. Meine Botschaft handelt von dem Gott, der die ganze Welt mit allem, was darin ist, geschaffen hat.“ (Apg 17, 23-24). Rechts vom Altar ist die allegorische Gestalt der Kirche zu sehen und links eine symbolische Darstellung des Glaubens.

Im mittleren Deckenfresko wird die Feier einer heiligen Messe dargestellt. Das Schriftband bringt ein Zitat aus dem Buch Josua: „Oboediente Domino voci hominis Josue 10“ (Der Herr hört auf die Stimme eines Menschen). In Josua 10,1-13 wird der Kampf der Israeliten gegen fünf Kanaaniterkönige geschildert. Josua, der Anführer der Israeliten, betet zu Gott, er möge die Sonne nicht untergehen lassen, bis Israel seine Feinde besiegt habe, und die Sonne und der Mond standen still. Im Gewölbebogen sehen wir in einem gemalten Bilderrahmen eine Darstellung der im Buch Josua beschriebenen Schlacht und die stillstehende Sonne.

Im letzten Joch ist das Manna-Wunder zu sehen: Mose mit seinem Stab und die das Manna auflesenden Israeliten. Ein Inschriftenband erklärt diese Szene: „Iste est panis quem dominus dedit. Exod. 16“. (Das ist das Brot, das der Herr gegeben hat).

Die durch Inschriften gedeuteten Embleme in den Stichkappen über den Fenstern und an der Decke beziehen sich alle auf Christus, der durch seinen Kreuzestod den Menschen Erlösung bringt.

Die Engel in den Zwickeln halten beim Gottesdienst verwendete Gegenstände in den Händen und auch die vergoldeten Stuckelemente stellen gottesdienstliche Gegenstände dar.

Gegenüber dem Altar steht das Lavabo, das wahrscheinlich bereits in der alten Abtsakristei stand und 1683 von Andreas Gözinger angefertigt wurde. Über diesem Lavabo erscheint im Strahlenkranz der auferstandene Herr mit dem Kreuz in der Hand. Darunter steht zu lesen: „Sancti estote, sicut ego sanctus sum“ – seid heilig wie auch ich heilig bin (Lev 11, 44). Die anderen Darstellungen am Lavabo zeigen die Fußwaschung vor dem letzten Abendmahl und Maria Magdalena, die mit ihren Tränen die Füße des Herrn wäscht und das das Spruchband darüber zitiert Jesaia: „Lavamini mundi estote Isai 1“ (Wascht Euch, seid rein, Jes 1,16).

Die Fresken von Antonio Beduzzi über den vier Türen des Raumes stellen die vier Evangelisten dar: Lukas (womöglich ein Selbstporträt Beduzzis) und Matthäus (rechts und links des Altares) bzw. Markus und Johannes (rechts und links des Lavabo).

In der Sommersakristei sind immer wieder Sterne und Adler als Dekorationselemente verwendet worden. Es sind das die Bestandteile des  Wappens von Abt Berthold Dietmayr, das auch am Altar und beim Lavabo zu sehen ist.

Seit der Restaurierung 1981/82 wurde die Sommersakristei immer häufiger auch für Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten verwendet und so entstand der Bedarf, auch in diesem Raum eine Orgel zur Verfügung zu haben. Damit der Raumeindruck durch eine Orgel aber nicht verändert würde, baute die holländische Firma Gebrüder Reil 1986 (auf Vermittlung und unter Beratung durch Rupert Gottfried Frieberger aus dem Stift Schlägl) die Orgel in die barocken Sakristeikästen ein. Der Kasten auf der Evangelienseite (links) enthält Register, die einen transzendentalen Charakter haben (z.B. Flötenwerk), die Epistelseite wieder Register mit einem erdhaften Charakter (Principalwerk). Die Trakturen vom Spieltisch auf der Epistelseite zu den Pfeifen auf der Evangelienseite laufen unter den Fußbodenplatten. Die Holzpfeifen, der Spieltisch und die Blasbälge sind unsichtbar in die Sakristeikästen eingebaut. Das Werk hat 777 Pfeifen mit 14 Registern: In den Zahlen verbirgt sich bewusst eine Symbolik um die Zahlen 7 und 3.

Der Raum vor der Sommersakristei wurde, um für die vielen Besucher der Stiftskirche eine Möglichkeit zum stillen Gebet zu schaffen, 1999 nach Ideen von Architekt Hans Hoffer umgestaltet. Im Mittelpunkt steht jetzt der gläserne Tabernakel mit dem Allerheiligsten. Dahinter ist der gotische Kruzifixus aus dem Jahr 1478, der im Volksmund „Zahnwehherrgott“ genannt wird, weil angeblich zahnwehgeplagte Gläubige Holzspäne aus den Füßen des Kruzifixes abgebrochen und in die Zähne gesteckt haben.

Die Marienstatue mit Kind ist ein Werk des Kleinpöchlarner Bildhauers Andre Stolz (1771) und gehörte ursprünglich zur barocken Einrichtung der Melker Stadtpfarrkirche.

 

Quelle: Burkhard Ellegast, Das Stift Melk, Eigenverlag des Stiftes Melk 2007

 

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