Gartenpavillon

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Der Gartenpavillon war 1747/48 von Franz Munggenast als Erholungsraum für die Patres gebaut worden. Neben den strengen Fastenzeiten, die im Kloster eingehalten werden mussten, hatte man bei dieser Einrichtung neben psychologisch einsichtigen Gründen auch die körperliche Gesundheit im Auge. Die zeitgemäße Medizin kannte den Aderlass und verschiedene Entschlackungskuren, die zur Anwendung kamen. Nach diesen Kuren bedurften die Mönche einer Stärkung. Sie wurden in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe führte das normale klösterliche Leben und betete das Chorgebet, die andere konnte sich erholen. Für diesen Zweck war, ganz aus der Gedankenwelt der Barockzeit heraus, der Gartenpavillon gebaut worden.

Das Deckenfresko im Gartenpavillon stammt von Johann Wenzel Bergl (1718– 1789), einem Schüler von Paul Trogerund Franz Anton Maulpertsch, und zeigt den Triumph des Lichtes. Im Zentrum des Himmelsgewölbes leuchtet die Sonne, über ihr sehen wir einen Tierkreisbogen, an dem die Monatszeichen der drei frohen Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst zu erkennen sind. Die Sonne strahlt und die jugendliche Gestalt des Frühlings fährt blumenbekränzt in der Kraft der Sonne auf einem Triumphwagen, darunter ährenbekränzt der Sommer und der Herbst mit seinem Füllhorn, aus dem der Erntesegen fließt. Der Winter folgt mit gesenkter Fackel, der als Nordwind Regen und Schnee vor sich her bläst. Diese Jahreszeiten klingen nochmals durch die Arbeiten, in den vier Medaillons im Bereich der Architekturmalerei dargestellt sind, an: Auf der Nordseite rechts graben Putti die Erde um (Frühling), auf der Südseite links schneiden sie Getreide (Sommer), auf der Südseite rechts keltern sie den Wein (Herbst) und auf der Nordseite links fahren sie mit Schlitten (Winter).

Am Rande des Freskos sieht man die – damals bekannten – 4 Erdteile: Im Norden, gegenüber dem Haupteingang, sitzt die tyrische Prinzessin Europa, die von Zeus in Gestalt eines Stieres nach Kreta entführt wurde. Sie ist unschwer als Maria Theresia zu erkennen, auch die Reichsinsignien und der Reichsadler beziehen sich auf das Römisch-Deutsche Kaiserreich. Die zahlreichen Künste und Wissenschaften (Musik, Bildhauerei, Astronomie, Malerei, aber auch Kriegskunst) zeichnen diesen Erdteil als führend aus.

Im Osten wird Asien durch die Figur eines orientalischen Fürsten, dessen Szepter und Turban auf das türkische Reich verweisen, umgeben vom Höflingen, Schriftgelehrten und gefesselten Sklaven, dargestellt. Eine chinesische Gesandtschaft überbringt Geschenke. Afrika im Süden wird durch einen Mohrenfürsten verkörpert, der einen kostbaren Schimmel am Zügel hält. Ihn umgeben exotische Tiere und Pflanze, Figuren mit Juwelen und Perlen sowie im Hintergrund eine Pyramide mit Zeichen des Islam und heidnischer Religionen. Amerika im Westen wird wenig differenziert durch Indianer und Schwarze symbolisiert, ein Elefant (!) deutet auf die Tierwelt hin. Ein Spanier tauscht Waren mit den Einheimischen.

Die Putti in den Fresken über den Türen stellen die fünf Sinne dar. Der Geschmackssinn, an diesem Ort, der für Feste und Feiern gedacht war, der wichtigste Sinn, ist zweimal dargestellt und zwar als Trinken (Süden) und Essen (Norden). Daneben im Norden links der Tastsinn und rechts der Geruchssinn, im Süden rechts das Sehen und links das Hören. Die Fresken über den beiden Nischen zeigen links im Medaillon Abt Thomas Pauer, unter dem 1747 mit dem Bau des Pavillons begonnen wurde. Er verstarb aber vor dessen Fertigstellung, daher die Darstellung des Zeitgottes Chronos mit der Sanduhr. Rechts ist im Medaillon Abt Urban Hauer dargestellt, unter dem dann der Bau vollendet und ausgestaltet wurde. Daher auch die Engel mit den Ruhmesfanfaren. Darunter der Architekt des Pavillons, Franz Munggenast, und links der Maler Johann Wenzel Bergl, der den Pavillon 1764 freskierte. Die Fresken in den anderen Räumen stellen exotische Szenen dar (z.B. im Ostraum die Entdeckung Amerikas, exotische Tiere und Früchte).

Freude am Leben, am Gestalten exotischer Pflanzen und Tiere, das Malen paradiesischer Zustände und liebevoller Harmonie treten uns in den Berglfresken entgegen. Ob hinter Bergls Fantastereien große ikonographische Konzepte stehen, die einen irdischen Gegenpol zur geistlichen Landschaft des Klosters und der Kirche ausdrücken sollen, mag dahingestellt sein. Die Malereien Bergls drücken einfach barockes Lebensgefühl aus, das sich neben aller Askese zeigte. Wie die Frömmigkeit dieser Zeit einen sehr erdgebundenen Akzent hatte, so wohl auch das Lebensgefühl dieser Menschen.

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