Das Festival

Dramaturgie

Dramaturgie 2020

Engel gibt es im Stift Melk bekanntlich viele. Man muss sich nur umsehen und hinaufblicken – schon sind sie da. Sie freuen sich, sie jauchzen und jubeln, sie helfen Heiligen so wie auch uns Normalsterblichen, indem sie auf Fresken und Gemälden sowie anderen Kunstschätzen des Stiftes auf das Wesentliche deuten oder es betrachten. Manchmal sind sie leicht schelmisch und frech. Manchmal sind sie theatralisch wie Statisten auf der Opernbühne. Sie tauchen fast wie im Sturzflug in das Taufbecken der Sommersakristei, als wollten sie zeigen, wie Eintauchen und Taufe wirklich gehen. Sie musizieren oder gesellen sich auf der Orgelempore zueinander, spielen Fanfaren und beobachten uns lächelnd von oben, als wollten sie sagen: ›Ist das nicht herrlich?‹ Stellen Sie sich meine Überraschung vor, als ich während einer meiner vielen Streifzüge durch das Stift im Dietmayrsaal auf ein Gemälde stieß, das mit dem Schriftzug ›Engelland‹ bezeichnet war. Damit ist ein deutig die Insel gemeint. Die Magie der englischen Barockmusik hat mich mit ihrer Theatralität sowie schlichten und betrachtenden, lyrischen Art schon immer fasziniert. Zugleich war ich wieder einmal sofort von dieser spielerischen Doppeldeutig keit des barocken Zeitalters hingerissen: Engelland. Und so sehe ich es als einen Wink der Engel, die uns den Weg zu den nächsten Internationalen Barocktagen Stift Melk weisen!


Michael Schade

Residenzorchester

Concentus Musicus Wien

Als erste wegweisende Handlung Michael Schades galt die feste Verpflichtung des Concentus Musicus Wien. Mit ihm brachte Schade DAS Orchester nach Melk, das den barocken Klang in den vergangenen Jahrzehnten auf einzigartige Weise geprägt hat. Die Internationalen Barocktage Stift Melk bieten dem Orchester auch die Bühne für neue Kooperationen und künstlerische Weiterentwicklung. So war der Concentus Musicus erstmals 2014 unter der Leitung von Matthew Halls und 2015 unter Christopher Moulds zu erleben; die beiden international gefragten Briten konnten sich besonders im Bereich der Alten Musik einen Namen machen. Dieser Weg wurde 2016 mit dem Spanier Pablo Heras-Casado weitergeführt, einem Shooting-Star der neuen Generation, der immer wieder gerne zur Alten Musik zurückkehrt. Seit 2015 widmet sich der Concentus Musicus bei den Barocktagen in Melk dem barocken Repertoire auch in kammermusikalischer Besetzung und kehrt damit mit großer Begeisterung zu seinen Anfängen zurück.

Als Originalklangensemble der ersten Stunde hat der Concentus Musicus Wien der historischen Aufführungspraxis und ihrer Erfolgsgeschichte den Weg geebnet. Gegründet wurde das Orchester 1953 von Nikolaus Harnoncourt, der bis zu seinem Tod im März 2016 künstlerischer Leiter war. „Die Musik jeder Epoche kann mit den Klangmitteln ihrer Zeit am lebendigsten dargestellt werden“, lautete Harnoncourts Credo. Zu den vielen spektakulären Projekten des Ensembles zählt u.a. die Gesamtaufnahme aller Kantaten von Johann Sebastian Bach, die mit einem Gramophone Award ausgezeichnet wurde. Auch mit Operneinspielungen ist das Ensemble hervorgetreten: Erwähnt seien zum Beispiel Mozarts „Lucio Silla“ und „Il re pastore“, Purcells „Dido and Aeneas“ oder Monteverdis „Orfeo“, außerdem zahlreiche Oratorien von Georg Friedrich Händel. Das Repertoire des Concentus spannt sich heute von der Renaissance bis zu Beethoven und Schubert, es umfasst gleichermaßen geistliche und weltliche Werke.

Seit 2016 steht der Concentus Musicus unter der neuen Künstlerischen Leitung von Stefan Gottfried (Dirigent), Erich Höbarth (Konzertmeister) und Andrea Bischof (2. Konzertmeisterin).

Geschichte

Barocker Klang in barockem Raum

Seit jeher sind Klöster Orte der Spiritualität und der Musik. Das gilt auch für das Stift Melk, wo die klösterliche Musikpflege im 18. Jahrhundert einen Höhepunkt erlebte. Die im Jahr 1978 entstandene Idee von Prof. Helmut Pilss, zu den Pfingstfeiertagen eine für die barocken Räume des Stiftes maßgeschneiderte Konzertreihe zu etablieren, greift diese Tradition wieder auf.

Gründer Prof. Helmut Pilss

Nach einigen Jahren eines breit angelegten, klassischen Konzertprogramms fiel im Jahr 1991 die Entscheidung, sich in Zukunft auf die Musik der Barockzeit und ihre Neuinterpretation im Sinne der historisch informierten Spielpraxis zu spezialisieren.

1992 fanden dann die ersten Internationalen Barocktage Stift Melk statt; Umberto Eco hielt die Eröffnungsrede und neben Ton Koopman sowie Bernhard Klebel mit dem Salzburger Bachchor war auch das stilbildende Ensemble Il Giardino Armonico zu Gast. In den darauf folgenden Jahren entwickelten sich die Internationalen Barocktage zum Treffpunkt der aufstrebenden europäischen Barockmusikszene, und bereits im Jahr 1993 fand erstmals der Johann Heinrich Schmelzer Wettbewerb für junge Solisten und Ensembles statt.

Durch die langjährige Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Bernhard Trebuch und dem Kultursender Ö1 war es möglich, die Internationalen Barocktage in der österreichischen Festivallandschaft zu verankern und Höhepunkte des Konzertgeschehens in zahlreichen Aufnahmen und CD-Editionen zu dokumentieren. Von Anfang an war es den Internationalen Barocktagen Stift Melk ein großes Anliegen, musikalisches Programm auf höchstem Niveau mit Experimentierfreudigkeit und großer Sensibilität für die Einzigartigkeit der Spielorte zu verbinden.

In dieser Tradition sieht sich auch der jetzige Künstlerische Leiter KS Michael Schade, wenn er sagt: „Wir wollen uns als ein Festival präsentieren, das den barocken Kosmos erleb- und erfühlbar macht und das Zusammenspiel von Musik und dem Barockjuwel Stift Melk hervorhebt.“

KS Michael Schade OC wurde 2013 zum Künstlerischen Leiter der Internationalen Barocktage Stift Melk bestellt. Erstmalig fanden 2014 die Barocktage unter seiner Programmierung statt. Seine künstlerische Leitung wurde 2017 bis zur Programmierung des Festivals 2022 verlängert.

Förderung junger Talente

Internationaler Johann Heinrich Schmelzer Wettbewerb

Der Internationale Johann Heinrich Schmelzer Wettbewerb, 1993 gegründet und benannt nach dem wegweisenden Komponisten und Geiger am Wiener Habsburgerhof des 17. Jahrhunderts, findet alle drei Jahre im Rahmen der Internationalen Barocktage Stift Melk statt.

Schmelzer, um 1620 im nahe gelegenen Scheibbs geboren, gilt als erster „Österreicher“ mit dem Titel Kaiserlicher Hofkapellmeister. Er beeinflusste die Entwicklung der Sonate und hinterließ ein vielschichtiges Werk, obwohl nur ein Teil seiner Kompositionen bis in die Gegenwart erhalten blieb. Von den überlieferten Werken wiederum ist nur ein Teil erfasst, viel Wertvolles schlummert in den Archiven und harrt noch seiner Entdeckung.

Prof. Helmut Pilss, Gründer der Melker Pfingstkonzerte, und Prof. Dr. Bernhard Trebuch wollten mit dem Wettbewerb das Interesse an den Werken von Johann Heinrich Schmelzer, Heinrich Ignaz Franz Biber oder Johann Joseph Fux stärken, er sollte aber auch eine „Initialzündung“ für die junge, aufstrebende Barockmusikszene sein, die sich länderübergreifend in ganz Europa entwickelt hatte.

Und so wurde ein einzigartiger Wettbewerb gegründet, der die Individualität und Vielfalt der „Szene“ anerkennen und fördern wollte. Jungen Musikern und Solisten wird damit die Möglichkeit gegeben, sich in fünf Kategorien dem Wettstreit zu stellen und vor einer Jury zu behaupten: Gesang, Ensemble, Streich-, Blas- und Tasteninstrumente.
Voller Stolz und Freude erinnert sich Max Volbers heute an eine aufregende, inspirierende und lehrreiche Zeit zurück:

Max Volbers (Blockflöte), der Gewinner des letzten Wettbewerbs von 2017 stellt fest: "Eigentlich sind Wettbewerbe ja Extremsituationen für einen Musiker. Der Druck - nicht zuletzt der ganz und gar selbstgemachte - ist immens! Die eigentliche Kunst ist es, die monatelange Vorbereitung auf einen Punkt auf der Bühne zu fokussieren, an dem man einfach nur noch loslässt und mit ganzem Herzen Musik macht. Schwer hat mir das der Schmelzer-Wettbewerb nicht gemacht: Beide Runden fanden in traumhaften Sälen, mit hervorragenden Cembali und vor einem wunderbaren Publikum statt. Die Lust jedes einzelnen Hörers an der Alten Musik war förmlich greifbar - selten habe ich ein Publikum erlebt, das so viel zurückgibt! Getragen wird der Wettbewerb von einem tollen Team, das sich um jedes Detail mit größter Hingabe und Hilfsbereitschaft kümmert - man muss letzten Endes nur kommen und spielen - perfekt!"

In einem öffentlichen Finalistenkonzert wird schließlich dem Publikum das Ergebnis des dreitägigen Wettbewerbs präsentiert.

Auch Michael Schade ist die Förderung junger Künstler ein besonderes Herzensanliegen, dem er sich bereits seit Jahren mit dem von ihm initiierten Young Singers Project der Salzburger Festspiele und der Stella Maris International Vocal Competition verschrieben hat – diese gelten mittlerweile als Vorzeigeprojekte im Bereich der Nachwuchsförderung.

In Melk nimmt sich Michael Schade der Weiterentwicklung des traditionsreichen Wettbewerbs an. Durch sein Engagement und das Sponsoring der Capital Bank wurde das Preisgeld des Internationalen Johann Heinrich Schmelzer Preises auf EUR 5.000,- erhöht. Zudem erhalten die jungen Künstler eine Konzertverpflichtung für die jeweils darauf folgende Saison der Internationalen Barocktage.

Erstmals wurde 2017 auch ein Förderpreis in Höhe von EUR 1.000,- unter Mitwirkung des Publikums vergeben. Gestiftet wurde der Förderpreis vom Präsidenten des Fördervereins der Internationalen Barocktage Stift Melk, Herrn Professor Gerhard Stabentheiner.

 

Gewinner und Gewinnerinnen des Internationalen Johann Heinrich Schmelzer Wettbewerbs

2017
1.Preis: 
Max Volbers, Blockflöte (Österreich)
Förderpreis: Evgeni Sviridov, Violine (Russland)

2014
1.Preis: Tabea Debus, Blockflöte (Deutschland)

2011
1.Preis: Jan van Hoecke, Blockflöte (Schweiz) und Anne Freitag, Traversflöte (Schweiz)
2. Preis: Jan van Hoecke, Blockflöte (Schweiz)

2008
1. Preis: Duo Lesaulnier (Frankreich)
Ensemblepreis: Michael Hell, Cembalist mit dem Ensemble Vezzoso (Österreich)

2005
1. Preis: Ensemble Vivante (Österreich)

2002
1. Preis: Barbara Tisler, Sopran (Slowenien)

1999
Drei 2. Preise: Maia Silberstein, Barockvioline (Belgien)
Maria Mittermayr, Traversflöte (Österreich)
Benedek Csalog, Traversflöte (Ungarn)

1996
1. Preis: Susanne Pumhösl, Cembalo (Österreich)

1993
1. Preis nicht vergeben
2. Preis: Blockflöten Ensemble Schwertberg (Österreich)

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KS Michael Schade O.C.

Die Besetzung der Künstlerischen Leitung mit KS Michael Schade O.C.* war für die Internationalen Barocktage aufgrund seiner Biografie und weltweiten Vernetzung aus vielerlei Gründen höchst erfreulich.

Der vielseitige Kammersänger steht in engem Bezug zur Tradition des ehrwürdigen Festivals: Die Wertschätzung des außergewöhnlichen Genius loci des Weltkulturerbes Stift Melk, der Anspruch auf Darbietung musikalischer Sinneswelten auf höchstem Niveau sowie das von Herzen kommende Bekenntnis zur Förderung aufstrebender Talente sind von seinen Visionen geprägt. 

Michael Schade verbindet auch eine tiefgreifende persönliche Beziehung zum Stift Melk:

 „Im Advent 2001 hatte ich zum ersten Mal das Glück, während der Proben für Händels "Alexanderfest", das Stift Melk zu betreten. Das Konzert wurde dann am 7. Dezember unter dem Dirigat von Nikolaus Harnoncourt und dem Concentus Musicus aufgeführt – es war eine der schönsten Konzerterfahrungen in meiner Karriere. Nicht nur die opulente barocke Schönheit des Stiftes, das sofortige und unvermeidliche Streben des eigenen Herzens, von der Erde zum Himmel zu blicken, machten dieses Konzerterlebnis zu einem Höhepunkt, sondern auch die persönliche Begegnung mit dem Benediktinerstift und dessen Gastfreundlichkeit“, so Schade.

Seit 2017 ist Michael Schade "Officer to the Order of Canada (O.C.)

2017 wurde auch der Vertrag von Kammersänger Michael Schade O.C. um weitere drei Jahre verlängert. Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Internationalen Barocktagen Stift Melk und dem gefragten deutsch-kanadischen Tenor wird somit bis vorerst 2022 fortgesetzt. 

 

Biografie Michael Schade
Auftrittstermine Michael Schade

*Als einer der führenden Tenöre unserer Zeit gefeiert, gastiert Michael Schade regelmäßig an den wichtigsten Opernbühnen in Europa und Nordamerika. Die Wiener Staatsoper ernannte den Deutsch-Kanadier 2007 zum Österreichischen Kammersänger (KS). 2017 wurde ihm für seine Leistungen als berühmter Tenor und seine Beiträge für die Opernwelt der Titel „Honorary Officer of the Order of Canada“ (O.C.) verliehen, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen Kanadas.

Spielstätten

Die angeführten Spielorte sind ein Repertoire aus all den bisher bespielten Orten und variieren daher jährlich!

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Stiftskirche

Der Höhepunkt der barocken Klosteranlage des Stiftes Melk ist die Stiftskirche. Sie sollte nach dem Willen des Abtes und des Konvents den religiösen Bezug der gesamten Anlage und ihre Orientierung auf Gott hin deutlich sichtbar machen. Ursprünglich war lediglich eine Barockisierung der Stiftskirche geplant. Ab 1701 entstand aber auf Betreiben Abt Berthold Dietmayrs und nach den Plänen Jakob Prandtauers ein völliger Neubau der Kirche. Es gelang, für die künstlerische Ausgestaltung die bedeutendsten Meister ihres Faches zu gewinnen: Antonio Beduzzi (Innenarchitektur, Skizzen für die Fresken), Johann Michael Rottmayr (Fresken, Altarbilder), Paul Troger (Altarbilder), Giuseppe Galli-Bibiena (Entwürfe für Kanzel und Hochaltar), Lorenzo Mattielli (Entwürfe für Skulpturen) und Peter Widerin (Skulpturen).

Die Stiftskirche präsentiert sich als mächtiger tonnengewölbter Saalbau mit Kapellennischen und Emporen sowie mit einer gewaltigen, 64 Meter hohen Tambourkuppel. Die prunkvolle Innenausstattung, reichlich mit Blattgold, Stuck und Marmor verziert, ist in den Farben Gold, Ocker, Orange, Grün und Grau gehalten. Ein wesentlicher Anteil daran geht auf Entwürfe und Anregungen des Theaterarchitekten Antonio Beduzzi zurück. Nach dessen Vorgaben schufen dann bodenständige Künstler die Ausführung. Die Deutung der Melker Stiftskirche ergibt sich aus der Inschrift am Hochaltar: „NON CORONABITUR NISI LEGITIME CERTAVERIT“ (Niemand wird gekrönt, der nicht rechtmäßig gekämpft hat).

Mit der Installierung des Volksaltares wurde dem 2. Vaticanum wie auch dem barocken Gedanken, Neues zu schaffen, gleichermaßen Rechnung getragen. Aus geometrischen Figuren, wie sie im Kircheninneren, v. a. im Boden, zu finden sind, konstruierte 1976 der Wiener Architekt Helmut Hütter inmitten der Vierung ein Podium für den Altartisch. Mit der Wahl der mit den Kirchenstühlen und den Bodenfliesen übereinstimmenden Formen gliederte er dieses eigenständige Objekt harmonisch in das barocke Gesamtkunstwerk ein.

 

 

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Stiftskirche

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Kolomanisaal

Der große, über zwei Stockwerke reichende ehemalige Konventsaal diente auch als Theater und als Studentenkapelle. Er ist durch Pilasterbündel und gemalte Kanneluren gegliedert, Wandteile, Supraporten und Nischen sind mit stein- und bronzefarbenen Ornamenten bemalt. Brustbilder österreichischer Regenten finden sich in einigen Fensterlaibungen der Nordseite.

Die Deckenwölbung des Saales hatte bereits 1719 Hippolyto Sconzani bemalt, doch war das Fresko 1738 dem Brand zum Opfer gefallen. Ab 1744 malte Gaetano Fanti, assistiert von seinem Sohn, die ovalen monochromen Legendenszenen der kartuschenförmig angelegten Architekturrahmung, für die Paul Troger 1745 sein letztes Melker Deckenbild schuf. Dafür nahm er das aus der alten Stiftskirche stammende Altarbild des Leopoldi -Altares als thematische Vorlage: Über einer Ansicht des Klosters vor dem barocken Umbau schweben auf Wolken die Stiftsheiligen Leopold, Koloman, Benedikt und die Apostelfürsten Petrus und Paulus. Sie empfehlen das Stift dem segnenden Gottvater. In der irdischen Zone blickt vom linken Rand des Bildes Markgraf Leopold I. mit einer Fahnenlanze auf der Schulter zu Leopold dem Heiligen auf.

Den ersten Babenberger begleitet ein Chorherr, eine Anspielung auf die Stiftstradition, nach der bereits unter Leopold I. ein Kollegiatsstift bei der Melker Burg errichtet wurde. Über der Gruppe schwebt – mit den Symbolen der Sense und der Sanduhr – Chronos. Gegenüber weist Markgraf Leopold II. auf das Kloster, um es Abt Sigibold von Lambach und seinen Benediktinern zu übergeben (1089). Am unteren Rand präsentieren die allegorischen Figuren der Architektur und der Fama, die den Ruhm des Bauherrn verkündet, einen Plan der neuen Klosteranlage. Zuunterst tragen Engel eine Kartusche mit dem Wappen des Stiftes, des Abtes Berthold Dietmayrs und des Auftraggebers für das Fresko Abt Adrian Pliemel.

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Kolomanisaal

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Gartenpavillon

Der Gartenpavillon war 1747/48 von Franz Munggenast als Erholungsraum für die Patres gebaut worden. Neben den strengen Fastenzeiten, die im Kloster eingehalten werden mussten, hatte man bei dieser Einrichtung neben psychologisch einsichtigen Gründen auch die körperliche Gesundheit im Auge. Die zeitgemäße Medizin kannte den Aderlass und verschiedene Entschlackungskuren, die zur Anwendung kamen. Nach diesen Kuren bedurften die Mönche einer Stärkung. Sie wurden in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe führte das normale klösterliche Leben und betete das Chorgebet, die andere konnte sich erholen. Für diesen Zweck war, ganz aus der Gedankenwelt der Barockzeit heraus, der Gartenpavillon gebaut worden.

Das Deckenfresko im Gartenpavillon stammt von Johann Wenzel Bergl (1718– 1789), einem Schüler von Paul Trogerund Franz Anton Maulpertsch, und zeigt den Triumph des Lichtes. Im Zentrum des Himmelsgewölbes leuchtet die Sonne, über ihr sehen wir einen Tierkreisbogen, an dem die Monatszeichen der drei frohen Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst zu erkennen sind. Die Sonne strahlt und die jugendliche Gestalt des Frühlings fährt blumenbekränzt in der Kraft der Sonne auf einem Triumphwagen, darunter ährenbekränzt der Sommer und der Herbst mit seinem Füllhorn, aus dem der Erntesegen fließt. Der Winter folgt mit gesenkter Fackel, der als Nordwind Regen und Schnee vor sich her bläst. Diese Jahreszeiten klingen nochmals durch die Arbeiten, in den vier Medaillons im Bereich der Architekturmalerei dargestellt sind, an: Auf der Nordseite rechts graben Putti die Erde um (Frühling), auf der Südseite links schneiden sie Getreide (Sommer), auf der Südseite rechts keltern sie den Wein (Herbst) und auf der Nordseite links fahren sie mit Schlitten (Winter).

Am Rande des Freskos sieht man die – damals bekannten – 4 Erdteile: Im Norden, gegenüber dem Haupteingang, sitzt die tyrische Prinzessin Europa, die von Zeus in Gestalt eines Stieres nach Kreta entführt wurde. Sie ist unschwer als Maria Theresia zu erkennen, auch die Reichsinsignien und der Reichsadler beziehen sich auf das Römisch-Deutsche Kaiserreich. Die zahlreichen Künste und Wissenschaften (Musik, Bildhauerei, Astronomie, Malerei, aber auch Kriegskunst) zeichnen diesen Erdteil als führend aus.

Im Osten wird Asien durch die Figur eines orientalischen Fürsten, dessen Szepter und Turban auf das türkische Reich verweisen, umgeben vom Höflingen, Schriftgelehrten und gefesselten Sklaven, dargestellt. Eine chinesische Gesandtschaft überbringt Geschenke. Afrika im Süden wird durch einen Mohrenfürsten verkörpert, der einen kostbaren Schimmel am Zügel hält. Ihn umgeben exotische Tiere und Pflanze, Figuren mit Juwelen und Perlen sowie im Hintergrund eine Pyramide mit Zeichen des Islam und heidnischer Religionen. Amerika im Westen wird wenig differenziert durch Indianer und Schwarze symbolisiert, ein Elefant (!) deutet auf die Tierwelt hin. Ein Spanier tauscht Waren mit den Einheimischen.

Die Putti in den Fresken über den Türen stellen die fünf Sinne dar. Der Geschmackssinn, an diesem Ort, der für Feste und Feiern gedacht war, der wichtigste Sinn, ist zweimal dargestellt und zwar als Trinken (Süden) und Essen (Norden). Daneben im Norden links der Tastsinn und rechts der Geruchssinn, im Süden rechts das Sehen und links das Hören. Die Fresken über den beiden Nischen zeigen links im Medaillon Abt Thomas Pauer, unter dem 1747 mit dem Bau des Pavillons begonnen wurde. Er verstarb aber vor dessen Fertigstellung, daher die Darstellung des Zeitgottes Chronos mit der Sanduhr. Rechts ist im Medaillon Abt Urban Hauer dargestellt, unter dem dann der Bau vollendet und ausgestaltet wurde. Daher auch die Engel mit den Ruhmesfanfaren. Darunter der Architekt des Pavillons, Franz Munggenast, und links der Maler Johann Wenzel Bergl, der den Pavillon 1764 freskierte. Die Fresken in den anderen Räumen stellen exotische Szenen dar (z.B. im Ostraum die Entdeckung Amerikas, exotische Tiere und Früchte).

Freude am Leben, am Gestalten exotischer Pflanzen und Tiere, das Malen paradiesischer Zustände und liebevoller Harmonie treten uns in den Berglfresken entgegen. Ob hinter Bergls Fantastereien große ikonographische Konzepte stehen, die einen irdischen Gegenpol zur geistlichen Landschaft des Klosters und der Kirche ausdrücken sollen, mag dahingestellt sein. Die Malereien Bergls drücken einfach barockes Lebensgefühl aus, das sich neben aller Askese zeigte. Wie die Frömmigkeit dieser Zeit einen sehr erdgebundenen Akzent hatte, so wohl auch das Lebensgefühl dieser Menschen.

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Gartenpavillon

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Dietmayrsaal

Beim Neubau des Südtraktes (1726) entstand an der südöstlichen Ecke des Kaiserganges ein kleinerer Festsaal für kaiserliche Besuche mit schwerem, noch frühbarock anmutendem Deckenstuck (Festons, Muschelwerk, Rosetten, Gittermuster). Die ausgesparten Bildfelder freskierte der Hausmaler Johann Georg Waibl mit monochromen Allegorien auf einen idealistischen Weltherrschaftsanspruch Kaiser Karls VI.: Im Zentrum der Decke flankieren Genien eine Weltkugel unter dem Auge Gottes. Ein Zepter weist auf Österreich, Genien tragen Herrschaftsinsignien, darunter Kronen der verschiedensten Länder.

Die Eckmedaillons zieren Personifikationen der damals bekannten vier Erdteile, die Sterne aus dem Wappen des Bauherrn Abt Berthold Dietmayr finden sich unter dem umlaufenden Kranzgesims. An der Südwand (Fensterseite) wird das politische Programm durch den Freskenschmuck unter der Fensterlaibungen ergänzt: Über den vier Kardinaltugenden ein Medaillon Karls VI., König Salomon vor der Königin von Saba sowie Frauengestalten, die Wohlstand (Hermesstab, Füllhorn) und Ruhm (Lorbeerkranz, Palme) symbolisieren.

Bei den Restaurierungen von 1979/80 wurden diese Dekorationselemente zur großen Überraschung unter späteren Übermalungen entdeckt. Zuvor wurde dieser Repräsentationsraum 1764 in einen Theatersaal – ein älteres Theater befand sich im Kolomanisaal – umgewandelt. Ornamentale Lisenen und Kapitelle der Wände stammen wahrscheinlich von Johann Bergl, der 1768 an der Ausgestaltung des neuen Theaterraumes arbeitete. Die erwähnten Scheinaufsätze wurden damals entfernt, spärliche Reste von weiteren Dekorationsmalereien Bergls sind bei den Restaurierungen gefunden worden.

Das östlich anschließende, durch einen Pfeiler vom Theatersaal getrennte Kabinett zieren dekorierte Fensterlaibungen (Morgen, Mittag, Abend, Nacht). Das Obergeschoß war wohl ursprünglich zum Saal hin geöffnet (Theaterloge oder Orchesterraum).

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Dietmayrsaal

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Barockkeller

Von 1650 bis 1652 ließ Abt Valentin Embalner einen Weinkeller unter den Trakt zwischen heutigem Priorat und der Konventküche aus dem gewachsenen Fels hauen. Die zwei gewaltigen Gewölbetonnen des Kellers sind heute noch erhalten (= „großer Barockkeller“). 1713 – 14 errichtete Jakob Prandtauer weitere Kellerräume westlich davon und zwar unterhalb des Priorates und der Prälatur (=„kleiner Barockkeller“). 1718 – 1720 wurde das Gebäude über dem unter Abt Embalner errichteten Keller abgerissen und neu aufgemauert. Um diese Bauten statisch abzusichern, verstärkte Jakob Prandtauer die Gewölbebögen zwischen den beiden Kellern. Einige originale Bögen sind auch noch unverstärkt erhalten geblieben. Als dann unter Abt Clemens Moser (1868/69) der Trakt über der Konventküche bzw. der heutigen Tischlerei umgebaut und Klassenräume für das Stiftsgymnasium eingebaut wurden, mussten im Keller weitere (viereckige) Säulen als Gewölbestützen errichtet werden. Diese Kellerräume dienten im Laufe der Zeit vielfältigen Zwecken. In der Zeit der Türkenbelagerung fanden 1683 z.B die Melker Bürger hier Zuflucht vor den anstürmenden türkischen Kriegsscharen. Während der Franzosenkriege, als das Stift Melk von etwa 1000 französischen Soldaten belagert wurde, sind diese auch in den Keller eingedrungen und sollen die stiftlichen Weinvorräte ausgetrunken haben. Aus dieser Zeit stammt auch der Eintrag in die Stiftschronik, dass Napoleon gesagt haben soll, in Melk seien die Weinkeller so groß, dass man darin vierspännig herumfahren könne. Im Zweiten Weltkrieg diente der Keller als Luftschutzbunker für die Melker Bevölkerung. Der große Barockkeller war bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts Weinkeller und wurde dann nach der Verpachtung der stiftlichen Weinberge bis zu seiner Adaptierung als Veranstaltungskeller als Lagerraum verwendet, wo alles mögliche, vor allem im Zusammenhang mit der großen Stiftsrestaurierung, deponiert wurde und teilweise bis an die Decke gestapelt war. Der unter Jakob Prandtauer errichtete kleinere Teil des Kellers blieb bis zum Beginn des Umbaus 1998 Weinkeller bzw. wurde ein Teil auch bis 1965 als Kellerstüberl verwendet.

 

In den Jahren 1998 – 2000 kam es als Vorbereitung für die NÖ Landesausstellung 2000 zu Umbauten in beiden Kellerbereichen (Plan Baumeister Johann Kräftner). Eine steile Stiege wurde durch Einbau eines Aufzugs mit Ausgängen in die Ebene des Prandtauer-Kellers und in die unterste Ebene unterbrochen. Zur vorhandenen Stiege in diesen Keller wurde eine zweite auf der anderen Seite des Kellers eingebaut. Bei den Bauarbeiten fand man den alten Ausgang in den Prälatenhof, in den teilweis die heute neue Stiege eingebaut wurde. Der kleine Barockkeller unter der Prälatur führt zur Kaiserstiege. Im Zuge der Arbeiten 1998 – 2000 wurde dort über die vorhandene Eisgrube und durch den Felsen ein Gang gebaut bzw. geschlagen, der zu einem Aufzug in den Südtrakt des Stiftes führt. Diese Arbeiten brachten eine Restaurierung und Revitalisierung der Kellerräumlichkeiten. Im Jahr 2000 konnten sie somit einen Teil der NÖ Landesausstellung ›Die Suche nach dem verlorenen Paradies – Europäische Kultur im Spiegel der Klöster‹ beherbergen und werden seit 2001 für mannigfaltige kulturelle, haus- und schuleigene Veranstaltungen genutzt.

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Marmorsaal

Der Marmorsaal liegt am Ende des sogenannten Kaisergangs, also des Bereiches, der ursprünglich für die Unterbringung des Kaiserlichen Hofes und der vielen anderen Gäste gedacht war, und diente als Gäste- und Speisesaal für Feste, vor allem bei Besuchen des Kaiserlichen Hofes. Die Inschriften über den Türen weisen auf diesen Zweck hin: ›Hospites tamquam Christus suscipiantur‹ (Gäste sollen aufgenommen werden wie Christus) und: ›Et omnibus congruus honor exhibeatur‹ (Allen erweise man die angemessene Ehre) aus dem 53. Kapitel der Regel des hl. Benedikt. Die Türstöcke wurden aus echtem Adneter und Untersberger Marmor hergestellt, die Wände hingegen sind aus Stuckmarmor. Das Deckenfresko stammt von Paul Troger (1731) und die Architekturmalerei, die dem Fresko einen herrlichen Rahmen gibt, von Gaetano Fanti. Die Deutung der Allegorien des Deckenfreskos wurde auf verschiedene Weise versucht. Vielleicht darf man die Zentralgestalt der Pallas Athene auf dem Löwenwagen zusammen mit dem Herkules sehen, der mit seiner Keule den Höllenhund erschlägt. Da die Habsburger, vor allem aber Karl VI., in dessen Regierungszeit dieses Gemälde entstand, gerne den Herkulesmythos auf sich anwandten, könnte man in beiden Gestalten eine Verkörperung der Staatsgewalt sehen, eine Verneigung vor dem Herrscherhaus, das in weiser Mäßigung (Pallas Athene) und notwendiger Gewalt (Herkules) zu regieren weiß. Der Herrscher führt die Menschen aus dem Dunkel (Kerberos, Dämonen der Nacht, Allegorien der Laster: Stolz, Geiz, Unkeuschheit, Neid, Unmäßigkeit, Zorn und Trägheit) in das Licht, das Wissenschaft und Kunst dem Suchenden aufgehen lassen: Über Pallas Athene bringt ein strahlender Engel Helligkeit und streut Blumen. Daneben strahlt der frühlingshafte Zephyros Wärme und Wachstum aus. Unterhalb finden sich allegorische Darstellungen verschiedener Tugenden, Wissenschaften und Künste, am Ende der Gruppe springt das Dichterpferd Pegasus hinauf zum Tempel der Musen. Darüber schwebt ein Engel, der aus einem Füllhorn Belohnung für gutes geistiges und moralisches Handeln ausschüttet. Das Herrscher-Ideal der Auf klärung kündigt sich an.

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Stiftspark

Der barocke Stiftspark mit dem Gartenpavillon wurde nach Fertigstellung des Stiftsgebäudes ab 1743 angelegt und war ursprünglich wohl mit barocken Blumen-, Grünpflanzen- und Kiesornamenten ausgestaltet. Seine Gestaltung war nicht nur von den topographischen Gegebenheiten bestimmt, sondern auch aus der „paradiesischen“ Gartenidee seiner Entstehungszeit meisterhaft formiert.

Zuvor war hier ein relativ unwegsames Gelände mit Wein und Obstbäumen gewesen. Das ursprüngliche Niveau war tiefer, etwa das des  heutigen Eingangstors. Die Fläche zum jetzigen Gartenpavillon hin wurde aufgeschüttet, um einen erhöhten Punkt mit Aussicht über die Donau entstehen zu lassen. In der Barockzeit spielt die Symmetrie eine wichtige Rolle. Diese barocke Symmetrie ist hier zwischen Gebäude und Garten festzustellen: Die verbaute Fläche des Gebäudes entspricht in etwa der gestalteten Gartenfläche. Dem Garten ist aber auch ein philosophisch-theologisches Konzept zugrunde gelegt.

Die Zahl 3, eine heilige Zahl, taucht sowohl im Gebäude als auch im Park auf. Z.B. sind in der Kirche drei Ebenen festzustellen: Kirchenschiff – Kuppel – Laterne. In der Laterne über der Kuppel ist der Hl. Geist, die dritte göttliche Person, in Gestalt einer Taube dargestellt. Auch der Stiftspark ist in drei Etagen gestaltet. Auf der obersten Etage ist ein Wasserbecken angelegt. Wasserreservoirs liegen einerseits aus praktischen Gründen grundsätzlich an der höchsten Stelle. Das Wasser gilt aber in der Natur auch als Symbol des Lebens und so korrespondiert dieses Wasserbecken an der höchsten Stelle des Parks auch mit der Laterne der Kuppel und der dort befindlichen Darstellung des Hl. Geistes, der seinerseits ein Symbol des Lebens ist und dafür sorgt, dass alles lebendig bleibt. Wenn man das Stiftsgebäude an einer Querachse zwischen den sogenannten Babenbergertürmen spiegelt, trifft die Kuppel genau mit dem Wasserbecken zusammen!

Die barocke Anlage wurde knapp nach 1800, der damaligen Mode entsprechend, in ihrer exakten Thematik aufgelöst und in einen englischen Landschaftspark umgestaltet, zuletzt verurwaldete der Park immer mehr und es geschah immer nur das Notwendigste. 1995 begann man mit der Sanierung des Stiftsparks und war nun bestrebt, alle noch vorhandenen, aber zugewachsenen, verdeckten oder beschädigten Elemente des ehemaligen Barock- wie auch des Landschaftsgartens zu erhalten und, wo notwendig, zu ergänzen. So sieht man heute neben dem Gartenpavillon wieder den „Honorattempel“, einen neobarocken Rundpavillon, in der obersten Etage des Stiftsparks, und den Springbrunnen. Die barocke Ziegelrampe wurde wieder sicht bar gemacht, das alte Wegesystem wiederhergestellt, um dem ehemaligen philosophisch-metaphysischen Konzept der Parkanlage wieder gerecht zu werden.

Beim großen Wasserbecken, der höchsten Stelle des Stiftsparks in der dritten Etage, steht eine alte, zum Teil noch aus der Barockzeit stammende Lindenallee, die vor ca. 250 Jahren gepflanzt worden ist. Aber auch zeitgenössische Akzente wurden seither im Park gesetzt: Im Wasserbecken steht z.B. eine Installation des Objektkünstlers Christian Philipp Müller mit dem Titel „Die Neue Welt, eine Art locus amoenus“. Es ist dies eine Insel, auf der sich Pflanzen aus der Neuen Welt befinden. Hinter dem Gartenpavillon wurde 2009 ein „Cabinet Clairvoyée“ als Aussichtspunkt in Richtung Westen zur Donau hin gestaltet, im nördlichen Teil des Stiftsparks gibt es den sog. „Benediktus-Weg“, der die Thematik „Benedictus – der Gesegnete“ zum Inhalt hat. Das Paradiesgärtchen wurde neu nach alten Vorbildern von Klostergärten angelegt, in denen Heilkräuter, Gewürze, stark riechende Pflanzen und solche mit intensiven Farben angepflanzt wurden.

Darunter entstand ein „Jardin  méditerranéen“. Der exoische, mediterrane Garten soll an die ehemalige Nutzung des Bereiches des heutigen Stiftsrestaurants als Orangerie erinnern. Am Abhang wurden biblische Pflanzen – Feigenbäume und Weinstöcke – und ein Apfelbaum gepflanzt, auch eine Palme ist hier zu sehen.

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Stiftspark

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© www.extremfotos.com (Markus Haslinger)

Pfarrhof Melk

Lage

Der Pfarrhof Melk liegt an prominenter Stelle des Ortskernes. Im Norden schließt seine repräsentative spätbarocke Fassade an den Hauptplatz an, östlich befindet sich der Kirchenplatz mit der Turmfront der Stadtpfarrkirche und im Süden stößt der an die Südwand von Remise und Osttrakt angeschüttete Pfarrgarten an den Bereich der ehemaligen Ortsbefestigung (in diesem Bereich ist nur mehr ein ehemaliger Mauerturm (der sog. "Postturm“) erhalten. Im Westen lehnen sich Gebäude des Nachbaranwesens an den Pfarrhof an.

Historische Überlieferung

Die Pfarre Melk war eine Gründung des Bistums Passau. Wohl schon im 11.Jahrhundert entstanden (1165 ist erstmals ein Pfarrer genannt) wurde die Pfarre von der Diözese Passau erst 1693 im Tausch an das Benediktinerstift übergeben. Eine erste sicher nachweisbare Kirche mit Pfarrrechten (Stephanskirche) stand auf dem Bergrücken östlich der Burg bzw. des Klosters (ab 1089). Der beschwerliche Weg zur Stephanskirche veranlasste wohl die Bürger des Marktes schon Ende des 13. Jahrhunderts eine Kapelle im Ort zu errichten, die um 1400  „Zu Ehren Unserer Lieben Frau“ geweiht wurde. 1450 schließlich begann man mit dem Bau der Kirche zur Himmelfahrt Mariä, der sich mit der Fertigstellung der Altäre bis 1481 hinzog. 1508 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben, was wohl zur Folge hatte,dass ihre Vorgängerin, die Stephanskirche, allmählich verfiel und aufgegeben wurde,weshalb der genaue Standort bis heute nicht bekannt ist. Die Berichte zum Pfarrhof sind jedoch spärlich. 1313 verfügte Pfarrer Albrecht das „Haus auf dem Berg“ (heute aufgegangen im Anwesen Sterngasse 19) zur künftigen Nutzung als Pfarrhaus. Um 1575 ging es in den Besitz der Familie Springer über,woraufhin der Pfarrhof am jetzigen Standort, in Nachbarschaft der Pfarrkirche,gebaut worden sein soll. Ein großer Stadtbrand soll am 15. Februar 1548 den gesamtem Pfarrhof vernichtet haben. Dieses Ereignis müsste sich dann jedoch noch auf das Pfarrhaus in der Sterngasse 19 beziehen.Infolge der Inkorporation der Pfarre Melk wurde auch der Pfarrhof der Diözese Passau 1694 durch das Stift angekauft. Die Pfarrchronik bezeichnet ihn 1752 als einsturzgefährdet, woraufhin der Wiener Architekt Matthias Gerl mit dem Neubau beauftragt wurde. Am 3. Juni 1752 legte Abt Thomas Pauer den Grundstein und bereits im Herbst desselben Jahres war der Rohbau beendet. Ein Großbrand im Jahre 1847 zog auch den Pfarrhof in Mitleidenschaft, Schlimmeres konnte jedoch vermieden werden: Der Zimmerwärter von Luberegg und die Feuerspritze der Herrschaft Leiben retteten das Pfarrhaus. Der Brand vernichtete aber den Turm der Pfarrkirche samt Glockenstuhl.

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Schloss Pielach

Pielach lag an der für das Militär angelegten Verbindungsstraße, die von der römischen Limes- und späteren Reichsstraße über Melk, Lanzing durch den Dunkelsteinerwald nach Favianis (Mautern) führte. (…)

In Pielach steht noch das Schloss, das einst das Zentrum der kleinen Grundherrschaft bildete. Man betritt das Schloss durch einen achteckigen alten Turm und sieht vom Schlosshof aus auf die ehemaligen Parkanlagen mit der als Insel erhaltenen und über eine Brücke erreichbaren ehemaligen Wasserburg. Von dieser und vom Wasser ist nichts mehr vorhanden. Nur mehr trockene Gräben verweisen auf die frühere Wehranlage. Die Geschichte dieses Schlösschens reicht bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück, als hier Reinmar, ein Ministeriale der Grafen von Schalla, 1147 durch den Bischof von Troyes eine Kirche dem hl. Ägidius weihen ließ. Der Bischof befand sich auf dem Kreuzzug in das Heilige Land. Diese "Kirche zu Werde" wurde, zunächst mit einer kleinen Wehranlage bei Schollach identifiziert, dann aber eindeutig mit dieser Insel (=Wörth) festgelegt.

Im Besitz der Festung folgten nach dem gleichnamigen Geschlecht der Pielacher im Gefolge der Hochfreien Peilsteiner und Burghausen-Schala zahlreiche Ritterfamilien, wie die Häusler, Plankensteiner, Topel, Zizendorf, Greisenegger, Geyer, Enenkel, bis um 1600 Ludwig von Starhemberg das kleine Schloss an sich brachte. Er ließ als eifriger Vertreter der protestantischen Lehre gegenüber dem Schloss einen „lutherischen Tempel“ errichten, dessen Ruinen noch bis in das vorige Jahrhundert bestanden. Da Ludwig Mitglied der aufständischen Protestantenbewegung war, wurden seine Güter konfisziert und an die Bestbieter  weiterverkauft. So kam das Stift Melk 1622 in den Besitz dieses inzwischen äußerst desolat gewordenen Gebäudes.

In der Barockzeit baute man die verfallenden Gebäude zu einem Erholungs- und Sommersitz für den Abt und die Mönche aus. Die alte Wasserfestung ließ man auf und bezog die Insel in den Park ein. Der Mühlbach, der die Wassergräben gespeist hatte, wurde in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zugeschüttet, sodass die Brücke zu der baumbestandenen Plattform der ehemaligen kleinen Burg heute nur mehr über trockene Gräben führt.

Der barocke Aus- und Umbau hat bereits 1692 begonnen, fand aber im Wesentlichen erst 1766 sein Ende. Die eigentliche Widmung als Rekreationsort für die Melker Benediktiner konnte sich eigentlich nie recht durchsetzen, die wirtschaftliche Funktion des angeschlossenen Meierhofs mit dem Fischkalter blieb bestimmend. Daher wurde das Schloss ab dem 19. Jahrhundert mehr und mehr für Wohnungen gebraucht und genutzt. Natürlich litt darunter die im Schloss vorhandene, teilweise kunstvolle Einrichtung. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts kaufte der Lusterfabrikant Alfons Maderna das Schloss und ließ die letzten Bestände mustergültig wiederherstellen.

Man betritt das Schloss durch den alten Torbau mit der Kapelle im Obergeschoss, auf die der wuchtige, achteckige Turm mit einem markant geschwungenen Dachaufsatz hinweist. An diese Einfahrt schließen die beiden Flügel im stumpfen Winkel an. Die einfache Außenerscheinung des Gebäudes hat aber im großen Saal ein ausgesprochen prächtiges Gegenstück gefunden. Hier hat der Maler Johann Bergl um 1766 in Anlehnung an die Freskenmalerei im Pavillon des Stiftes Melk einen fantasievollen Garten im Haus geschaffen, biblische Motive werden in exotische Landschaften hineingestellt.

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Benediktuskapelle

Mitte des 19. Jhs. wurde die heutige Benediktuskapelle durch Abt Wilhelm Eder als Kapelle für die Schüler des Stiftsgymnasiums eingerichtet und von Friedrich Schilcher und Joseph Proksch mit Fresken versehen (heute tw. noch unter der Kalkschicht vorhanden).

Bereits 1872 wurde dann allerdings der heutige Kolomanisaal als Kapelle bestimmt und die bisherige Studentenkapelle als Schlafsaal verwendet. Erst 1946 wurde sie wieder zum Gottesdienstraum und erhielt einen einfachen Barockaltar und ein Kreuz aus der ehemaligen Schlosskirche in Leesdorf.

Als in den 1960er-Jahren das Konvikt umgebaut wurde, wurde auch der damals Konviktskapelle genannte Raum von Architekt Ottokar Uhl nach den Grundsätzen des 2. Vatikanischen Konzils neu gestaltet. Der Raum sollte einfach sein und war zweiteilig gedacht, wobei sowohl die Bänke im Wortgottesdienstbereich als auch der Altartisch im Bereich für die Eucharistiefeier beweglich gestaltet waren und je nach Bedarf gestellt werden konnten.

Zum 900-Jahr-Jubiläum des Stiftes Melk im Jahr 1989 wurde die Kapelle dann in Benediktuskapelle umbenannt und einige Änderungen vorgenommen. An die Südwand der Kapelle kam der frühgotische Apostelfries aus der Stiftspfarre Großriedenthal und an die Nordwand ein großes Kreuz von Josef Strohmaier, einem ehemaligen Schüler des Stiftsgymnasiums, der auch das Taufbecken aus Adneter Marmor im Vorraum der Benediktuskapelle gestaltete (1992). Auch eine Orgel der oberösterreichischen Orgelbaufirma Riedl kam zur Ausstattung dazu.

Der Vorraum mit dem Tabernakel wurde in den Jahren 1990-1994 von Peter Bischof mit Darstellungen aus dem Legendenzyklus um den heiligen Benedikt und aus der Heiligen Schrift ausgemalt. Sie lassen das Ringen des Menschen um Ordnung, um Liebe, das Suchen des Menschen nach Gott und nach einem sinnvollen Weg durch das Leben spürbar werden. Themen sind u.a. der seine Regel schreibende hl. Benedikt, Benedikt und seine Schwester Scholastika, Mose und der brennende Dornbusch, die drei Jünglinge im Feuerofen,  Abraham, der sich aufmacht in das Land der Verheißung, der Prophet Elija, der hl. Petrus, der dem Ruf Jesu folgt und über das Wasser geht, und dann wiederum Legenden um den hl. Benedikt, der Maurus schickt, um den ins Wasser gefallenen Placidus zu retten, und der dabei ebenfalls über das Wasser laufen kann. Den Abschluss bildet der Tod des hl. Benedikt im Kreise seiner Mitbrüder.

 

Quelle: Burkhard Ellegast: Stift Melk, Eigenverlag des Stiftes Melk 2007, Seite 134, 388-392 

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Benediktuskapelle

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Sommersakristei

Die durch einen Brand notwendig gewordene Sanierung der alten Abtsakristei, heutige Sommersakristei, im Jahr 1701 stellte den Auftakt zum anschließenden völligen Neubau der Stiftskirche Melk dar.

Mit der Innenausstattung der Sommersakristei beauftragte Abt Berthold Dietmayr den italienischen Theateringenieur und Architekten Antonio Beduzzi, der auch die Fresken malte. Der Stuck stammt von Johann Jakob Castelli, die Tischlerarbeiten von Franz Andre Pogner und die Holzbildhauerarbeiten am Altar, Lavabo und an den Sakristeischränken von Michael Joseph Höchenwaldt.

Am Altar steht das Kreuz – das „lignum vitae“, das Holz des Lebens, wie es in der Inschrift darüber zu lesen ist – im Mittelpunkt. Das Kreuz, um das sich ein Baum windet, ist von zwei Säulen flankiert, die mit Rosen-, Dornen- und Palmenkränzen umwunden sind als Zeichen für Leben, Sterben und Sieg. Zeichen des Leidens Jesu (Nägel, Schweißtuch Veronikas) weisen auf das Kreuzesgeschehen hin.

Das Relief auf der Altarmensa zeigt das Gottesurteil durch das das sog. Melker Kreuz, eine Kreuzreliquie, die seit der Babenbergerzeit im Besitz des Klosters ist, nach einem Diebstahl 1170 zurück nach Melk gelangte: Das Kreuz neigte sich zum Melker Abt hin.

Das Tabernakeltürchen aus dem Jahr 1980 stammt von Josef Strohmaier und stellt Jesus mit den Emmausjüngern dar.

Das Thema der Deckenfresken der Sommersakristei ist die Eucharistie, ein für eine Sakristei nahe liegendes Thema, das ja auch mit dem Kreuzestod Jesu in Verbindung steht.

Im Deckenfresko des ersten Jochs ist ein Altar zu sehen, auf dem ein Opferfeuer brennt und eine Monstranz mit einer eucharistischen Hostie steht, die das Alte und das Neue Testament symbolisieren. Die Inschrift auf dem Altar „Non ignoto Deo“ (dem nicht unbekannten Gott) spielt auf die Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag an, bei der er den Athenern zuruft: „Als ich durch die Straßen eurer Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, stieß ich auf einen Altar mit der Inschrift: ‚Für einen unbekannten Gott‘. Ihr verehrt also ein göttliches Wesen, ohne es zu kennen. Nun, gerade diese euch unbekannte Gottheit verkünde ich euch. Meine Botschaft handelt von dem Gott, der die ganze Welt mit allem, was darin ist, geschaffen hat.“ (Apg 17, 23-24). Rechts vom Altar ist die allegorische Gestalt der Kirche zu sehen und links eine symbolische Darstellung des Glaubens.

Im mittleren Deckenfresko wird die Feier einer heiligen Messe dargestellt. Das Schriftband bringt ein Zitat aus dem Buch Josua: „Oboediente Domino voci hominis Josue 10“ (Der Herr hört auf die Stimme eines Menschen). In Josua 10,1-13 wird der Kampf der Israeliten gegen fünf Kanaaniterkönige geschildert. Josua, der Anführer der Israeliten, betet zu Gott, er möge die Sonne nicht untergehen lassen, bis Israel seine Feinde besiegt habe, und die Sonne und der Mond standen still. Im Gewölbebogen sehen wir in einem gemalten Bilderrahmen eine Darstellung der im Buch Josua beschriebenen Schlacht und die stillstehende Sonne.

Im letzten Joch ist das Manna-Wunder zu sehen: Mose mit seinem Stab und die das Manna auflesenden Israeliten. Ein Inschriftenband erklärt diese Szene: „Iste est panis quem dominus dedit. Exod. 16“. (Das ist das Brot, das der Herr gegeben hat).

Die durch Inschriften gedeuteten Embleme in den Stichkappen über den Fenstern und an der Decke beziehen sich alle auf Christus, der durch seinen Kreuzestod den Menschen Erlösung bringt.

Die Engel in den Zwickeln halten beim Gottesdienst verwendete Gegenstände in den Händen und auch die vergoldeten Stuckelemente stellen gottesdienstliche Gegenstände dar.

Gegenüber dem Altar steht das Lavabo, das wahrscheinlich bereits in der alten Abtsakristei stand und 1683 von Andreas Gözinger angefertigt wurde. Über diesem Lavabo erscheint im Strahlenkranz der auferstandene Herr mit dem Kreuz in der Hand. Darunter steht zu lesen: „Sancti estote, sicut ego sanctus sum“ – seid heilig wie auch ich heilig bin (Lev 11, 44). Die anderen Darstellungen am Lavabo zeigen die Fußwaschung vor dem letzten Abendmahl und Maria Magdalena, die mit ihren Tränen die Füße des Herrn wäscht und das das Spruchband darüber zitiert Jesaia: „Lavamini mundi estote Isai 1“ (Wascht Euch, seid rein, Jes 1,16).

Die Fresken von Antonio Beduzzi über den vier Türen des Raumes stellen die vier Evangelisten dar: Lukas (womöglich ein Selbstporträt Beduzzis) und Matthäus (rechts und links des Altares) bzw. Markus und Johannes (rechts und links des Lavabo).

In der Sommersakristei sind immer wieder Sterne und Adler als Dekorationselemente verwendet worden. Es sind das die Bestandteile des  Wappens von Abt Berthold Dietmayr, das auch am Altar und beim Lavabo zu sehen ist.

Seit der Restaurierung 1981/82 wurde die Sommersakristei immer häufiger auch für Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten verwendet und so entstand der Bedarf, auch in diesem Raum eine Orgel zur Verfügung zu haben. Damit der Raumeindruck durch eine Orgel aber nicht verändert würde, baute die holländische Firma Gebrüder Reil 1986 (auf Vermittlung und unter Beratung durch Rupert Gottfried Frieberger aus dem Stift Schlägl) die Orgel in die barocken Sakristeikästen ein. Der Kasten auf der Evangelienseite (links) enthält Register, die einen transzendentalen Charakter haben (z.B. Flötenwerk), die Epistelseite wieder Register mit einem erdhaften Charakter (Principalwerk). Die Trakturen vom Spieltisch auf der Epistelseite zu den Pfeifen auf der Evangelienseite laufen unter den Fußbodenplatten. Die Holzpfeifen, der Spieltisch und die Blasbälge sind unsichtbar in die Sakristeikästen eingebaut. Das Werk hat 777 Pfeifen mit 14 Registern: In den Zahlen verbirgt sich bewusst eine Symbolik um die Zahlen 7 und 3.

Der Raum vor der Sommersakristei wurde, um für die vielen Besucher der Stiftskirche eine Möglichkeit zum stillen Gebet zu schaffen, 1999 nach Ideen von Architekt Hans Hoffer umgestaltet. Im Mittelpunkt steht jetzt der gläserne Tabernakel mit dem Allerheiligsten. Dahinter ist der gotische Kruzifixus aus dem Jahr 1478, der im Volksmund „Zahnwehherrgott“ genannt wird, weil angeblich zahnwehgeplagte Gläubige Holzspäne aus den Füßen des Kruzifixes abgebrochen und in die Zähne gesteckt haben.

Die Marienstatue mit Kind ist ein Werk des Kleinpöchlarner Bildhauers Andre Stolz (1771) und gehörte ursprünglich zur barocken Einrichtung der Melker Stadtpfarrkirche.

 

Quelle: Burkhard Ellegast, Das Stift Melk, Eigenverlag des Stiftes Melk 2007

 

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Pfarrkirche Melk

Die ursprüngliche Pfarrkirche war als Stephanskirche auf dem Höhenrücken östlich des Klosters erbaut worden und dem Bistum Passau zugehörig. Für die Melker Bürger etwas entlegen, errichteten sie im 15. Jahrhundert im Markt selbst eine Marienkapelle, auf die 1508 die pfarrlichen Rechte übertragen wurden. Da die Pfarre und der Pfarrer nicht dem Melker Stift und Abt unterstanden, tauschte man sie 1693 ein. Seitdem unterstehen sie der klösterlichen Betreuung und Verwaltung.

Die gotische Hallenkirche entstand zwar im 15. Jahrhundert, wurde jedoch nach einem Großbrand ab 1847 stark erneuert, und zwar so eindrucksvoll regotisiert, dass die im 18. Jahrhundert eingeführte barocke Einrichtung wieder entfernt wurde. Der dreischiffige und vierjochige Kirchenbau mit dem Netzrippengewölbe wurde in seiner ursprünglichen Form und klaren Stilrichtung wieder betont und auch entsprechend ausgestattet.

Die Einheitlichkeit der neugotischen Einrichtung der Altäre, der Kanzel, der Kreuzwegreliefs, des Chorgestühls, der Bänke und des Bodens macht die Pfarrkirche zu einem stilvollen Beispiel der Neugotik aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der reiche, geschnitzte Figuren- und Reliefschmuck zeigt die beliebten Patrone gegen Krankheit, Katastrophen und aus dem Benediktinerorden sowie Szenen aus dem Jesus- und Marienleben. Erwähnenswert sind die vielen Grabdenkmäler an der Außenseite der Kirche und insbesondere die außergewöhnlich schöne Ölbergszene. Die fast lebensgroßen, vollplastischen Figuren sind ein besonderes Beispiel der Donauschule Österreichs aus 1502/03, vermutlich aus der Werkstatt des bekannten Bildhauers Kriechbaum.

 

Quelle:
Dr. Gerhard Floßmann
www.kirchen-am-fluss.at/melk-pfarrkirche

 

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Stiftskirche

Der Höhepunkt der barocken Klosteranlage des Stiftes Melk ist die Stiftskirche. Sie sollte nach dem Willen des Abtes und des Konvents den religiösen Bezug der gesamten Anlage und ihre Orientierung auf Gott hin deutlich sichtbar machen. Ursprünglich war lediglich eine Barockisierung der Stiftskirche geplant. Ab 1701 entstand aber auf Betreiben Abt Berthold Dietmayrs und nach den Plänen Jakob Prandtauers ein völliger Neubau der Kirche. Es gelang, für die künstlerische Ausgestaltung die bedeutendsten Meister ihres Faches zu gewinnen: Antonio Beduzzi (Innenarchitektur, Skizzen für die Fresken), Johann Michael Rottmayr (Fresken, Altarbilder), Paul Troger (Altarbilder), Giuseppe Galli-Bibiena (Entwürfe für Kanzel und Hochaltar), Lorenzo Mattielli (Entwürfe für Skulpturen) und Peter Widerin (Skulpturen).

Die Stiftskirche präsentiert sich als mächtiger tonnengewölbter Saalbau mit Kapellennischen und Emporen sowie mit einer gewaltigen, 64 Meter hohen Tambourkuppel. Die prunkvolle Innenausstattung, reichlich mit Blattgold, Stuck und Marmor verziert, ist in den Farben Gold, Ocker, Orange, Grün und Grau gehalten. Ein wesentlicher Anteil daran geht auf Entwürfe und Anregungen des Theaterarchitekten Antonio Beduzzi zurück. Nach dessen Vorgaben schufen dann bodenständige Künstler die Ausführung. Die Deutung der Melker Stiftskirche ergibt sich aus der Inschrift am Hochaltar: „NON CORONABITUR NISI LEGITIME CERTAVERIT“ (Niemand wird gekrönt, der nicht rechtmäßig gekämpft hat).

Mit der Installierung des Volksaltares wurde dem 2. Vaticanum wie auch dem barocken Gedanken, Neues zu schaffen, gleichermaßen Rechnung getragen. Aus geometrischen Figuren, wie sie im Kircheninneren, v. a. im Boden, zu finden sind, konstruierte 1976 der Wiener Architekt Helmut Hütter inmitten der Vierung ein Podium für den Altartisch. Mit der Wahl der mit den Kirchenstühlen und den Bodenfliesen übereinstimmenden Formen gliederte er dieses eigenständige Objekt harmonisch in das barocke Gesamtkunstwerk ein.

 

 

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Kolomanisaal

Der große, über zwei Stockwerke reichende ehemalige Konventsaal diente auch als Theater und als Studentenkapelle. Er ist durch Pilasterbündel und gemalte Kanneluren gegliedert, Wandteile, Supraporten und Nischen sind mit stein- und bronzefarbenen Ornamenten bemalt. Brustbilder österreichischer Regenten finden sich in einigen Fensterlaibungen der Nordseite.

Die Deckenwölbung des Saales hatte bereits 1719 Hippolyto Sconzani bemalt, doch war das Fresko 1738 dem Brand zum Opfer gefallen. Ab 1744 malte Gaetano Fanti, assistiert von seinem Sohn, die ovalen monochromen Legendenszenen der kartuschenförmig angelegten Architekturrahmung, für die Paul Troger 1745 sein letztes Melker Deckenbild schuf. Dafür nahm er das aus der alten Stiftskirche stammende Altarbild des Leopoldi -Altares als thematische Vorlage: Über einer Ansicht des Klosters vor dem barocken Umbau schweben auf Wolken die Stiftsheiligen Leopold, Koloman, Benedikt und die Apostelfürsten Petrus und Paulus. Sie empfehlen das Stift dem segnenden Gottvater. In der irdischen Zone blickt vom linken Rand des Bildes Markgraf Leopold I. mit einer Fahnenlanze auf der Schulter zu Leopold dem Heiligen auf.

Den ersten Babenberger begleitet ein Chorherr, eine Anspielung auf die Stiftstradition, nach der bereits unter Leopold I. ein Kollegiatsstift bei der Melker Burg errichtet wurde. Über der Gruppe schwebt – mit den Symbolen der Sense und der Sanduhr – Chronos. Gegenüber weist Markgraf Leopold II. auf das Kloster, um es Abt Sigibold von Lambach und seinen Benediktinern zu übergeben (1089). Am unteren Rand präsentieren die allegorischen Figuren der Architektur und der Fama, die den Ruhm des Bauherrn verkündet, einen Plan der neuen Klosteranlage. Zuunterst tragen Engel eine Kartusche mit dem Wappen des Stiftes, des Abtes Berthold Dietmayrs und des Auftraggebers für das Fresko Abt Adrian Pliemel.

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Gartenpavillon

Der Gartenpavillon war 1747/48 von Franz Munggenast als Erholungsraum für die Patres gebaut worden. Neben den strengen Fastenzeiten, die im Kloster eingehalten werden mussten, hatte man bei dieser Einrichtung neben psychologisch einsichtigen Gründen auch die körperliche Gesundheit im Auge. Die zeitgemäße Medizin kannte den Aderlass und verschiedene Entschlackungskuren, die zur Anwendung kamen. Nach diesen Kuren bedurften die Mönche einer Stärkung. Sie wurden in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe führte das normale klösterliche Leben und betete das Chorgebet, die andere konnte sich erholen. Für diesen Zweck war, ganz aus der Gedankenwelt der Barockzeit heraus, der Gartenpavillon gebaut worden.

Das Deckenfresko im Gartenpavillon stammt von Johann Wenzel Bergl (1718– 1789), einem Schüler von Paul Trogerund Franz Anton Maulpertsch, und zeigt den Triumph des Lichtes. Im Zentrum des Himmelsgewölbes leuchtet die Sonne, über ihr sehen wir einen Tierkreisbogen, an dem die Monatszeichen der drei frohen Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst zu erkennen sind. Die Sonne strahlt und die jugendliche Gestalt des Frühlings fährt blumenbekränzt in der Kraft der Sonne auf einem Triumphwagen, darunter ährenbekränzt der Sommer und der Herbst mit seinem Füllhorn, aus dem der Erntesegen fließt. Der Winter folgt mit gesenkter Fackel, der als Nordwind Regen und Schnee vor sich her bläst. Diese Jahreszeiten klingen nochmals durch die Arbeiten, in den vier Medaillons im Bereich der Architekturmalerei dargestellt sind, an: Auf der Nordseite rechts graben Putti die Erde um (Frühling), auf der Südseite links schneiden sie Getreide (Sommer), auf der Südseite rechts keltern sie den Wein (Herbst) und auf der Nordseite links fahren sie mit Schlitten (Winter).

Am Rande des Freskos sieht man die – damals bekannten – 4 Erdteile: Im Norden, gegenüber dem Haupteingang, sitzt die tyrische Prinzessin Europa, die von Zeus in Gestalt eines Stieres nach Kreta entführt wurde. Sie ist unschwer als Maria Theresia zu erkennen, auch die Reichsinsignien und der Reichsadler beziehen sich auf das Römisch-Deutsche Kaiserreich. Die zahlreichen Künste und Wissenschaften (Musik, Bildhauerei, Astronomie, Malerei, aber auch Kriegskunst) zeichnen diesen Erdteil als führend aus.

Im Osten wird Asien durch die Figur eines orientalischen Fürsten, dessen Szepter und Turban auf das türkische Reich verweisen, umgeben vom Höflingen, Schriftgelehrten und gefesselten Sklaven, dargestellt. Eine chinesische Gesandtschaft überbringt Geschenke. Afrika im Süden wird durch einen Mohrenfürsten verkörpert, der einen kostbaren Schimmel am Zügel hält. Ihn umgeben exotische Tiere und Pflanze, Figuren mit Juwelen und Perlen sowie im Hintergrund eine Pyramide mit Zeichen des Islam und heidnischer Religionen. Amerika im Westen wird wenig differenziert durch Indianer und Schwarze symbolisiert, ein Elefant (!) deutet auf die Tierwelt hin. Ein Spanier tauscht Waren mit den Einheimischen.

Die Putti in den Fresken über den Türen stellen die fünf Sinne dar. Der Geschmackssinn, an diesem Ort, der für Feste und Feiern gedacht war, der wichtigste Sinn, ist zweimal dargestellt und zwar als Trinken (Süden) und Essen (Norden). Daneben im Norden links der Tastsinn und rechts der Geruchssinn, im Süden rechts das Sehen und links das Hören. Die Fresken über den beiden Nischen zeigen links im Medaillon Abt Thomas Pauer, unter dem 1747 mit dem Bau des Pavillons begonnen wurde. Er verstarb aber vor dessen Fertigstellung, daher die Darstellung des Zeitgottes Chronos mit der Sanduhr. Rechts ist im Medaillon Abt Urban Hauer dargestellt, unter dem dann der Bau vollendet und ausgestaltet wurde. Daher auch die Engel mit den Ruhmesfanfaren. Darunter der Architekt des Pavillons, Franz Munggenast, und links der Maler Johann Wenzel Bergl, der den Pavillon 1764 freskierte. Die Fresken in den anderen Räumen stellen exotische Szenen dar (z.B. im Ostraum die Entdeckung Amerikas, exotische Tiere und Früchte).

Freude am Leben, am Gestalten exotischer Pflanzen und Tiere, das Malen paradiesischer Zustände und liebevoller Harmonie treten uns in den Berglfresken entgegen. Ob hinter Bergls Fantastereien große ikonographische Konzepte stehen, die einen irdischen Gegenpol zur geistlichen Landschaft des Klosters und der Kirche ausdrücken sollen, mag dahingestellt sein. Die Malereien Bergls drücken einfach barockes Lebensgefühl aus, das sich neben aller Askese zeigte. Wie die Frömmigkeit dieser Zeit einen sehr erdgebundenen Akzent hatte, so wohl auch das Lebensgefühl dieser Menschen.

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Dietmayrsaal

Beim Neubau des Südtraktes (1726) entstand an der südöstlichen Ecke des Kaiserganges ein kleinerer Festsaal für kaiserliche Besuche mit schwerem, noch frühbarock anmutendem Deckenstuck (Festons, Muschelwerk, Rosetten, Gittermuster). Die ausgesparten Bildfelder freskierte der Hausmaler Johann Georg Waibl mit monochromen Allegorien auf einen idealistischen Weltherrschaftsanspruch Kaiser Karls VI.: Im Zentrum der Decke flankieren Genien eine Weltkugel unter dem Auge Gottes. Ein Zepter weist auf Österreich, Genien tragen Herrschaftsinsignien, darunter Kronen der verschiedensten Länder.

Die Eckmedaillons zieren Personifikationen der damals bekannten vier Erdteile, die Sterne aus dem Wappen des Bauherrn Abt Berthold Dietmayr finden sich unter dem umlaufenden Kranzgesims. An der Südwand (Fensterseite) wird das politische Programm durch den Freskenschmuck unter der Fensterlaibungen ergänzt: Über den vier Kardinaltugenden ein Medaillon Karls VI., König Salomon vor der Königin von Saba sowie Frauengestalten, die Wohlstand (Hermesstab, Füllhorn) und Ruhm (Lorbeerkranz, Palme) symbolisieren.

Bei den Restaurierungen von 1979/80 wurden diese Dekorationselemente zur großen Überraschung unter späteren Übermalungen entdeckt. Zuvor wurde dieser Repräsentationsraum 1764 in einen Theatersaal – ein älteres Theater befand sich im Kolomanisaal – umgewandelt. Ornamentale Lisenen und Kapitelle der Wände stammen wahrscheinlich von Johann Bergl, der 1768 an der Ausgestaltung des neuen Theaterraumes arbeitete. Die erwähnten Scheinaufsätze wurden damals entfernt, spärliche Reste von weiteren Dekorationsmalereien Bergls sind bei den Restaurierungen gefunden worden.

Das östlich anschließende, durch einen Pfeiler vom Theatersaal getrennte Kabinett zieren dekorierte Fensterlaibungen (Morgen, Mittag, Abend, Nacht). Das Obergeschoß war wohl ursprünglich zum Saal hin geöffnet (Theaterloge oder Orchesterraum).

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Barockkeller

Von 1650 bis 1652 ließ Abt Valentin Embalner einen Weinkeller unter den Trakt zwischen heutigem Priorat und der Konventküche aus dem gewachsenen Fels hauen. Die zwei gewaltigen Gewölbetonnen des Kellers sind heute noch erhalten (= „großer Barockkeller“). 1713 – 14 errichtete Jakob Prandtauer weitere Kellerräume westlich davon und zwar unterhalb des Priorates und der Prälatur (=„kleiner Barockkeller“). 1718 – 1720 wurde das Gebäude über dem unter Abt Embalner errichteten Keller abgerissen und neu aufgemauert. Um diese Bauten statisch abzusichern, verstärkte Jakob Prandtauer die Gewölbebögen zwischen den beiden Kellern. Einige originale Bögen sind auch noch unverstärkt erhalten geblieben. Als dann unter Abt Clemens Moser (1868/69) der Trakt über der Konventküche bzw. der heutigen Tischlerei umgebaut und Klassenräume für das Stiftsgymnasium eingebaut wurden, mussten im Keller weitere (viereckige) Säulen als Gewölbestützen errichtet werden. Diese Kellerräume dienten im Laufe der Zeit vielfältigen Zwecken. In der Zeit der Türkenbelagerung fanden 1683 z.B die Melker Bürger hier Zuflucht vor den anstürmenden türkischen Kriegsscharen. Während der Franzosenkriege, als das Stift Melk von etwa 1000 französischen Soldaten belagert wurde, sind diese auch in den Keller eingedrungen und sollen die stiftlichen Weinvorräte ausgetrunken haben. Aus dieser Zeit stammt auch der Eintrag in die Stiftschronik, dass Napoleon gesagt haben soll, in Melk seien die Weinkeller so groß, dass man darin vierspännig herumfahren könne. Im Zweiten Weltkrieg diente der Keller als Luftschutzbunker für die Melker Bevölkerung. Der große Barockkeller war bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts Weinkeller und wurde dann nach der Verpachtung der stiftlichen Weinberge bis zu seiner Adaptierung als Veranstaltungskeller als Lagerraum verwendet, wo alles mögliche, vor allem im Zusammenhang mit der großen Stiftsrestaurierung, deponiert wurde und teilweise bis an die Decke gestapelt war. Der unter Jakob Prandtauer errichtete kleinere Teil des Kellers blieb bis zum Beginn des Umbaus 1998 Weinkeller bzw. wurde ein Teil auch bis 1965 als Kellerstüberl verwendet.

 

In den Jahren 1998 – 2000 kam es als Vorbereitung für die NÖ Landesausstellung 2000 zu Umbauten in beiden Kellerbereichen (Plan Baumeister Johann Kräftner). Eine steile Stiege wurde durch Einbau eines Aufzugs mit Ausgängen in die Ebene des Prandtauer-Kellers und in die unterste Ebene unterbrochen. Zur vorhandenen Stiege in diesen Keller wurde eine zweite auf der anderen Seite des Kellers eingebaut. Bei den Bauarbeiten fand man den alten Ausgang in den Prälatenhof, in den teilweis die heute neue Stiege eingebaut wurde. Der kleine Barockkeller unter der Prälatur führt zur Kaiserstiege. Im Zuge der Arbeiten 1998 – 2000 wurde dort über die vorhandene Eisgrube und durch den Felsen ein Gang gebaut bzw. geschlagen, der zu einem Aufzug in den Südtrakt des Stiftes führt. Diese Arbeiten brachten eine Restaurierung und Revitalisierung der Kellerräumlichkeiten. Im Jahr 2000 konnten sie somit einen Teil der NÖ Landesausstellung ›Die Suche nach dem verlorenen Paradies – Europäische Kultur im Spiegel der Klöster‹ beherbergen und werden seit 2001 für mannigfaltige kulturelle, haus- und schuleigene Veranstaltungen genutzt.

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Marmorsaal

Der Marmorsaal liegt am Ende des sogenannten Kaisergangs, also des Bereiches, der ursprünglich für die Unterbringung des Kaiserlichen Hofes und der vielen anderen Gäste gedacht war, und diente als Gäste- und Speisesaal für Feste, vor allem bei Besuchen des Kaiserlichen Hofes. Die Inschriften über den Türen weisen auf diesen Zweck hin: ›Hospites tamquam Christus suscipiantur‹ (Gäste sollen aufgenommen werden wie Christus) und: ›Et omnibus congruus honor exhibeatur‹ (Allen erweise man die angemessene Ehre) aus dem 53. Kapitel der Regel des hl. Benedikt. Die Türstöcke wurden aus echtem Adneter und Untersberger Marmor hergestellt, die Wände hingegen sind aus Stuckmarmor. Das Deckenfresko stammt von Paul Troger (1731) und die Architekturmalerei, die dem Fresko einen herrlichen Rahmen gibt, von Gaetano Fanti. Die Deutung der Allegorien des Deckenfreskos wurde auf verschiedene Weise versucht. Vielleicht darf man die Zentralgestalt der Pallas Athene auf dem Löwenwagen zusammen mit dem Herkules sehen, der mit seiner Keule den Höllenhund erschlägt. Da die Habsburger, vor allem aber Karl VI., in dessen Regierungszeit dieses Gemälde entstand, gerne den Herkulesmythos auf sich anwandten, könnte man in beiden Gestalten eine Verkörperung der Staatsgewalt sehen, eine Verneigung vor dem Herrscherhaus, das in weiser Mäßigung (Pallas Athene) und notwendiger Gewalt (Herkules) zu regieren weiß. Der Herrscher führt die Menschen aus dem Dunkel (Kerberos, Dämonen der Nacht, Allegorien der Laster: Stolz, Geiz, Unkeuschheit, Neid, Unmäßigkeit, Zorn und Trägheit) in das Licht, das Wissenschaft und Kunst dem Suchenden aufgehen lassen: Über Pallas Athene bringt ein strahlender Engel Helligkeit und streut Blumen. Daneben strahlt der frühlingshafte Zephyros Wärme und Wachstum aus. Unterhalb finden sich allegorische Darstellungen verschiedener Tugenden, Wissenschaften und Künste, am Ende der Gruppe springt das Dichterpferd Pegasus hinauf zum Tempel der Musen. Darüber schwebt ein Engel, der aus einem Füllhorn Belohnung für gutes geistiges und moralisches Handeln ausschüttet. Das Herrscher-Ideal der Auf klärung kündigt sich an.

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Stiftspark

Der barocke Stiftspark mit dem Gartenpavillon wurde nach Fertigstellung des Stiftsgebäudes ab 1743 angelegt und war ursprünglich wohl mit barocken Blumen-, Grünpflanzen- und Kiesornamenten ausgestaltet. Seine Gestaltung war nicht nur von den topographischen Gegebenheiten bestimmt, sondern auch aus der „paradiesischen“ Gartenidee seiner Entstehungszeit meisterhaft formiert.

Zuvor war hier ein relativ unwegsames Gelände mit Wein und Obstbäumen gewesen. Das ursprüngliche Niveau war tiefer, etwa das des  heutigen Eingangstors. Die Fläche zum jetzigen Gartenpavillon hin wurde aufgeschüttet, um einen erhöhten Punkt mit Aussicht über die Donau entstehen zu lassen. In der Barockzeit spielt die Symmetrie eine wichtige Rolle. Diese barocke Symmetrie ist hier zwischen Gebäude und Garten festzustellen: Die verbaute Fläche des Gebäudes entspricht in etwa der gestalteten Gartenfläche. Dem Garten ist aber auch ein philosophisch-theologisches Konzept zugrunde gelegt.

Die Zahl 3, eine heilige Zahl, taucht sowohl im Gebäude als auch im Park auf. Z.B. sind in der Kirche drei Ebenen festzustellen: Kirchenschiff – Kuppel – Laterne. In der Laterne über der Kuppel ist der Hl. Geist, die dritte göttliche Person, in Gestalt einer Taube dargestellt. Auch der Stiftspark ist in drei Etagen gestaltet. Auf der obersten Etage ist ein Wasserbecken angelegt. Wasserreservoirs liegen einerseits aus praktischen Gründen grundsätzlich an der höchsten Stelle. Das Wasser gilt aber in der Natur auch als Symbol des Lebens und so korrespondiert dieses Wasserbecken an der höchsten Stelle des Parks auch mit der Laterne der Kuppel und der dort befindlichen Darstellung des Hl. Geistes, der seinerseits ein Symbol des Lebens ist und dafür sorgt, dass alles lebendig bleibt. Wenn man das Stiftsgebäude an einer Querachse zwischen den sogenannten Babenbergertürmen spiegelt, trifft die Kuppel genau mit dem Wasserbecken zusammen!

Die barocke Anlage wurde knapp nach 1800, der damaligen Mode entsprechend, in ihrer exakten Thematik aufgelöst und in einen englischen Landschaftspark umgestaltet, zuletzt verurwaldete der Park immer mehr und es geschah immer nur das Notwendigste. 1995 begann man mit der Sanierung des Stiftsparks und war nun bestrebt, alle noch vorhandenen, aber zugewachsenen, verdeckten oder beschädigten Elemente des ehemaligen Barock- wie auch des Landschaftsgartens zu erhalten und, wo notwendig, zu ergänzen. So sieht man heute neben dem Gartenpavillon wieder den „Honorattempel“, einen neobarocken Rundpavillon, in der obersten Etage des Stiftsparks, und den Springbrunnen. Die barocke Ziegelrampe wurde wieder sicht bar gemacht, das alte Wegesystem wiederhergestellt, um dem ehemaligen philosophisch-metaphysischen Konzept der Parkanlage wieder gerecht zu werden.

Beim großen Wasserbecken, der höchsten Stelle des Stiftsparks in der dritten Etage, steht eine alte, zum Teil noch aus der Barockzeit stammende Lindenallee, die vor ca. 250 Jahren gepflanzt worden ist. Aber auch zeitgenössische Akzente wurden seither im Park gesetzt: Im Wasserbecken steht z.B. eine Installation des Objektkünstlers Christian Philipp Müller mit dem Titel „Die Neue Welt, eine Art locus amoenus“. Es ist dies eine Insel, auf der sich Pflanzen aus der Neuen Welt befinden. Hinter dem Gartenpavillon wurde 2009 ein „Cabinet Clairvoyée“ als Aussichtspunkt in Richtung Westen zur Donau hin gestaltet, im nördlichen Teil des Stiftsparks gibt es den sog. „Benediktus-Weg“, der die Thematik „Benedictus – der Gesegnete“ zum Inhalt hat. Das Paradiesgärtchen wurde neu nach alten Vorbildern von Klostergärten angelegt, in denen Heilkräuter, Gewürze, stark riechende Pflanzen und solche mit intensiven Farben angepflanzt wurden.

Darunter entstand ein „Jardin  méditerranéen“. Der exoische, mediterrane Garten soll an die ehemalige Nutzung des Bereiches des heutigen Stiftsrestaurants als Orangerie erinnern. Am Abhang wurden biblische Pflanzen – Feigenbäume und Weinstöcke – und ein Apfelbaum gepflanzt, auch eine Palme ist hier zu sehen.

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Pfarrhof Melk

Lage

Der Pfarrhof Melk liegt an prominenter Stelle des Ortskernes. Im Norden schließt seine repräsentative spätbarocke Fassade an den Hauptplatz an, östlich befindet sich der Kirchenplatz mit der Turmfront der Stadtpfarrkirche und im Süden stößt der an die Südwand von Remise und Osttrakt angeschüttete Pfarrgarten an den Bereich der ehemaligen Ortsbefestigung (in diesem Bereich ist nur mehr ein ehemaliger Mauerturm (der sog. "Postturm“) erhalten. Im Westen lehnen sich Gebäude des Nachbaranwesens an den Pfarrhof an.

Historische Überlieferung

Die Pfarre Melk war eine Gründung des Bistums Passau. Wohl schon im 11.Jahrhundert entstanden (1165 ist erstmals ein Pfarrer genannt) wurde die Pfarre von der Diözese Passau erst 1693 im Tausch an das Benediktinerstift übergeben. Eine erste sicher nachweisbare Kirche mit Pfarrrechten (Stephanskirche) stand auf dem Bergrücken östlich der Burg bzw. des Klosters (ab 1089). Der beschwerliche Weg zur Stephanskirche veranlasste wohl die Bürger des Marktes schon Ende des 13. Jahrhunderts eine Kapelle im Ort zu errichten, die um 1400  „Zu Ehren Unserer Lieben Frau“ geweiht wurde. 1450 schließlich begann man mit dem Bau der Kirche zur Himmelfahrt Mariä, der sich mit der Fertigstellung der Altäre bis 1481 hinzog. 1508 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben, was wohl zur Folge hatte,dass ihre Vorgängerin, die Stephanskirche, allmählich verfiel und aufgegeben wurde,weshalb der genaue Standort bis heute nicht bekannt ist. Die Berichte zum Pfarrhof sind jedoch spärlich. 1313 verfügte Pfarrer Albrecht das „Haus auf dem Berg“ (heute aufgegangen im Anwesen Sterngasse 19) zur künftigen Nutzung als Pfarrhaus. Um 1575 ging es in den Besitz der Familie Springer über,woraufhin der Pfarrhof am jetzigen Standort, in Nachbarschaft der Pfarrkirche,gebaut worden sein soll. Ein großer Stadtbrand soll am 15. Februar 1548 den gesamtem Pfarrhof vernichtet haben. Dieses Ereignis müsste sich dann jedoch noch auf das Pfarrhaus in der Sterngasse 19 beziehen.Infolge der Inkorporation der Pfarre Melk wurde auch der Pfarrhof der Diözese Passau 1694 durch das Stift angekauft. Die Pfarrchronik bezeichnet ihn 1752 als einsturzgefährdet, woraufhin der Wiener Architekt Matthias Gerl mit dem Neubau beauftragt wurde. Am 3. Juni 1752 legte Abt Thomas Pauer den Grundstein und bereits im Herbst desselben Jahres war der Rohbau beendet. Ein Großbrand im Jahre 1847 zog auch den Pfarrhof in Mitleidenschaft, Schlimmeres konnte jedoch vermieden werden: Der Zimmerwärter von Luberegg und die Feuerspritze der Herrschaft Leiben retteten das Pfarrhaus. Der Brand vernichtete aber den Turm der Pfarrkirche samt Glockenstuhl.

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Schloss Pielach

Pielach lag an der für das Militär angelegten Verbindungsstraße, die von der römischen Limes- und späteren Reichsstraße über Melk, Lanzing durch den Dunkelsteinerwald nach Favianis (Mautern) führte. (…)

In Pielach steht noch das Schloss, das einst das Zentrum der kleinen Grundherrschaft bildete. Man betritt das Schloss durch einen achteckigen alten Turm und sieht vom Schlosshof aus auf die ehemaligen Parkanlagen mit der als Insel erhaltenen und über eine Brücke erreichbaren ehemaligen Wasserburg. Von dieser und vom Wasser ist nichts mehr vorhanden. Nur mehr trockene Gräben verweisen auf die frühere Wehranlage. Die Geschichte dieses Schlösschens reicht bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück, als hier Reinmar, ein Ministeriale der Grafen von Schalla, 1147 durch den Bischof von Troyes eine Kirche dem hl. Ägidius weihen ließ. Der Bischof befand sich auf dem Kreuzzug in das Heilige Land. Diese "Kirche zu Werde" wurde, zunächst mit einer kleinen Wehranlage bei Schollach identifiziert, dann aber eindeutig mit dieser Insel (=Wörth) festgelegt.

Im Besitz der Festung folgten nach dem gleichnamigen Geschlecht der Pielacher im Gefolge der Hochfreien Peilsteiner und Burghausen-Schala zahlreiche Ritterfamilien, wie die Häusler, Plankensteiner, Topel, Zizendorf, Greisenegger, Geyer, Enenkel, bis um 1600 Ludwig von Starhemberg das kleine Schloss an sich brachte. Er ließ als eifriger Vertreter der protestantischen Lehre gegenüber dem Schloss einen „lutherischen Tempel“ errichten, dessen Ruinen noch bis in das vorige Jahrhundert bestanden. Da Ludwig Mitglied der aufständischen Protestantenbewegung war, wurden seine Güter konfisziert und an die Bestbieter  weiterverkauft. So kam das Stift Melk 1622 in den Besitz dieses inzwischen äußerst desolat gewordenen Gebäudes.

In der Barockzeit baute man die verfallenden Gebäude zu einem Erholungs- und Sommersitz für den Abt und die Mönche aus. Die alte Wasserfestung ließ man auf und bezog die Insel in den Park ein. Der Mühlbach, der die Wassergräben gespeist hatte, wurde in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zugeschüttet, sodass die Brücke zu der baumbestandenen Plattform der ehemaligen kleinen Burg heute nur mehr über trockene Gräben führt.

Der barocke Aus- und Umbau hat bereits 1692 begonnen, fand aber im Wesentlichen erst 1766 sein Ende. Die eigentliche Widmung als Rekreationsort für die Melker Benediktiner konnte sich eigentlich nie recht durchsetzen, die wirtschaftliche Funktion des angeschlossenen Meierhofs mit dem Fischkalter blieb bestimmend. Daher wurde das Schloss ab dem 19. Jahrhundert mehr und mehr für Wohnungen gebraucht und genutzt. Natürlich litt darunter die im Schloss vorhandene, teilweise kunstvolle Einrichtung. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts kaufte der Lusterfabrikant Alfons Maderna das Schloss und ließ die letzten Bestände mustergültig wiederherstellen.

Man betritt das Schloss durch den alten Torbau mit der Kapelle im Obergeschoss, auf die der wuchtige, achteckige Turm mit einem markant geschwungenen Dachaufsatz hinweist. An diese Einfahrt schließen die beiden Flügel im stumpfen Winkel an. Die einfache Außenerscheinung des Gebäudes hat aber im großen Saal ein ausgesprochen prächtiges Gegenstück gefunden. Hier hat der Maler Johann Bergl um 1766 in Anlehnung an die Freskenmalerei im Pavillon des Stiftes Melk einen fantasievollen Garten im Haus geschaffen, biblische Motive werden in exotische Landschaften hineingestellt.

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Benediktuskapelle

Mitte des 19. Jhs. wurde die heutige Benediktuskapelle durch Abt Wilhelm Eder als Kapelle für die Schüler des Stiftsgymnasiums eingerichtet und von Friedrich Schilcher und Joseph Proksch mit Fresken versehen (heute tw. noch unter der Kalkschicht vorhanden).

Bereits 1872 wurde dann allerdings der heutige Kolomanisaal als Kapelle bestimmt und die bisherige Studentenkapelle als Schlafsaal verwendet. Erst 1946 wurde sie wieder zum Gottesdienstraum und erhielt einen einfachen Barockaltar und ein Kreuz aus der ehemaligen Schlosskirche in Leesdorf.

Als in den 1960er-Jahren das Konvikt umgebaut wurde, wurde auch der damals Konviktskapelle genannte Raum von Architekt Ottokar Uhl nach den Grundsätzen des 2. Vatikanischen Konzils neu gestaltet. Der Raum sollte einfach sein und war zweiteilig gedacht, wobei sowohl die Bänke im Wortgottesdienstbereich als auch der Altartisch im Bereich für die Eucharistiefeier beweglich gestaltet waren und je nach Bedarf gestellt werden konnten.

Zum 900-Jahr-Jubiläum des Stiftes Melk im Jahr 1989 wurde die Kapelle dann in Benediktuskapelle umbenannt und einige Änderungen vorgenommen. An die Südwand der Kapelle kam der frühgotische Apostelfries aus der Stiftspfarre Großriedenthal und an die Nordwand ein großes Kreuz von Josef Strohmaier, einem ehemaligen Schüler des Stiftsgymnasiums, der auch das Taufbecken aus Adneter Marmor im Vorraum der Benediktuskapelle gestaltete (1992). Auch eine Orgel der oberösterreichischen Orgelbaufirma Riedl kam zur Ausstattung dazu.

Der Vorraum mit dem Tabernakel wurde in den Jahren 1990-1994 von Peter Bischof mit Darstellungen aus dem Legendenzyklus um den heiligen Benedikt und aus der Heiligen Schrift ausgemalt. Sie lassen das Ringen des Menschen um Ordnung, um Liebe, das Suchen des Menschen nach Gott und nach einem sinnvollen Weg durch das Leben spürbar werden. Themen sind u.a. der seine Regel schreibende hl. Benedikt, Benedikt und seine Schwester Scholastika, Mose und der brennende Dornbusch, die drei Jünglinge im Feuerofen,  Abraham, der sich aufmacht in das Land der Verheißung, der Prophet Elija, der hl. Petrus, der dem Ruf Jesu folgt und über das Wasser geht, und dann wiederum Legenden um den hl. Benedikt, der Maurus schickt, um den ins Wasser gefallenen Placidus zu retten, und der dabei ebenfalls über das Wasser laufen kann. Den Abschluss bildet der Tod des hl. Benedikt im Kreise seiner Mitbrüder.

 

Quelle: Burkhard Ellegast: Stift Melk, Eigenverlag des Stiftes Melk 2007, Seite 134, 388-392 

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Sommersakristei

Die durch einen Brand notwendig gewordene Sanierung der alten Abtsakristei, heutige Sommersakristei, im Jahr 1701 stellte den Auftakt zum anschließenden völligen Neubau der Stiftskirche Melk dar.

Mit der Innenausstattung der Sommersakristei beauftragte Abt Berthold Dietmayr den italienischen Theateringenieur und Architekten Antonio Beduzzi, der auch die Fresken malte. Der Stuck stammt von Johann Jakob Castelli, die Tischlerarbeiten von Franz Andre Pogner und die Holzbildhauerarbeiten am Altar, Lavabo und an den Sakristeischränken von Michael Joseph Höchenwaldt.

Am Altar steht das Kreuz – das „lignum vitae“, das Holz des Lebens, wie es in der Inschrift darüber zu lesen ist – im Mittelpunkt. Das Kreuz, um das sich ein Baum windet, ist von zwei Säulen flankiert, die mit Rosen-, Dornen- und Palmenkränzen umwunden sind als Zeichen für Leben, Sterben und Sieg. Zeichen des Leidens Jesu (Nägel, Schweißtuch Veronikas) weisen auf das Kreuzesgeschehen hin.

Das Relief auf der Altarmensa zeigt das Gottesurteil durch das das sog. Melker Kreuz, eine Kreuzreliquie, die seit der Babenbergerzeit im Besitz des Klosters ist, nach einem Diebstahl 1170 zurück nach Melk gelangte: Das Kreuz neigte sich zum Melker Abt hin.

Das Tabernakeltürchen aus dem Jahr 1980 stammt von Josef Strohmaier und stellt Jesus mit den Emmausjüngern dar.

Das Thema der Deckenfresken der Sommersakristei ist die Eucharistie, ein für eine Sakristei nahe liegendes Thema, das ja auch mit dem Kreuzestod Jesu in Verbindung steht.

Im Deckenfresko des ersten Jochs ist ein Altar zu sehen, auf dem ein Opferfeuer brennt und eine Monstranz mit einer eucharistischen Hostie steht, die das Alte und das Neue Testament symbolisieren. Die Inschrift auf dem Altar „Non ignoto Deo“ (dem nicht unbekannten Gott) spielt auf die Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag an, bei der er den Athenern zuruft: „Als ich durch die Straßen eurer Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, stieß ich auf einen Altar mit der Inschrift: ‚Für einen unbekannten Gott‘. Ihr verehrt also ein göttliches Wesen, ohne es zu kennen. Nun, gerade diese euch unbekannte Gottheit verkünde ich euch. Meine Botschaft handelt von dem Gott, der die ganze Welt mit allem, was darin ist, geschaffen hat.“ (Apg 17, 23-24). Rechts vom Altar ist die allegorische Gestalt der Kirche zu sehen und links eine symbolische Darstellung des Glaubens.

Im mittleren Deckenfresko wird die Feier einer heiligen Messe dargestellt. Das Schriftband bringt ein Zitat aus dem Buch Josua: „Oboediente Domino voci hominis Josue 10“ (Der Herr hört auf die Stimme eines Menschen). In Josua 10,1-13 wird der Kampf der Israeliten gegen fünf Kanaaniterkönige geschildert. Josua, der Anführer der Israeliten, betet zu Gott, er möge die Sonne nicht untergehen lassen, bis Israel seine Feinde besiegt habe, und die Sonne und der Mond standen still. Im Gewölbebogen sehen wir in einem gemalten Bilderrahmen eine Darstellung der im Buch Josua beschriebenen Schlacht und die stillstehende Sonne.

Im letzten Joch ist das Manna-Wunder zu sehen: Mose mit seinem Stab und die das Manna auflesenden Israeliten. Ein Inschriftenband erklärt diese Szene: „Iste est panis quem dominus dedit. Exod. 16“. (Das ist das Brot, das der Herr gegeben hat).

Die durch Inschriften gedeuteten Embleme in den Stichkappen über den Fenstern und an der Decke beziehen sich alle auf Christus, der durch seinen Kreuzestod den Menschen Erlösung bringt.

Die Engel in den Zwickeln halten beim Gottesdienst verwendete Gegenstände in den Händen und auch die vergoldeten Stuckelemente stellen gottesdienstliche Gegenstände dar.

Gegenüber dem Altar steht das Lavabo, das wahrscheinlich bereits in der alten Abtsakristei stand und 1683 von Andreas Gözinger angefertigt wurde. Über diesem Lavabo erscheint im Strahlenkranz der auferstandene Herr mit dem Kreuz in der Hand. Darunter steht zu lesen: „Sancti estote, sicut ego sanctus sum“ – seid heilig wie auch ich heilig bin (Lev 11, 44). Die anderen Darstellungen am Lavabo zeigen die Fußwaschung vor dem letzten Abendmahl und Maria Magdalena, die mit ihren Tränen die Füße des Herrn wäscht und das das Spruchband darüber zitiert Jesaia: „Lavamini mundi estote Isai 1“ (Wascht Euch, seid rein, Jes 1,16).

Die Fresken von Antonio Beduzzi über den vier Türen des Raumes stellen die vier Evangelisten dar: Lukas (womöglich ein Selbstporträt Beduzzis) und Matthäus (rechts und links des Altares) bzw. Markus und Johannes (rechts und links des Lavabo).

In der Sommersakristei sind immer wieder Sterne und Adler als Dekorationselemente verwendet worden. Es sind das die Bestandteile des  Wappens von Abt Berthold Dietmayr, das auch am Altar und beim Lavabo zu sehen ist.

Seit der Restaurierung 1981/82 wurde die Sommersakristei immer häufiger auch für Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten verwendet und so entstand der Bedarf, auch in diesem Raum eine Orgel zur Verfügung zu haben. Damit der Raumeindruck durch eine Orgel aber nicht verändert würde, baute die holländische Firma Gebrüder Reil 1986 (auf Vermittlung und unter Beratung durch Rupert Gottfried Frieberger aus dem Stift Schlägl) die Orgel in die barocken Sakristeikästen ein. Der Kasten auf der Evangelienseite (links) enthält Register, die einen transzendentalen Charakter haben (z.B. Flötenwerk), die Epistelseite wieder Register mit einem erdhaften Charakter (Principalwerk). Die Trakturen vom Spieltisch auf der Epistelseite zu den Pfeifen auf der Evangelienseite laufen unter den Fußbodenplatten. Die Holzpfeifen, der Spieltisch und die Blasbälge sind unsichtbar in die Sakristeikästen eingebaut. Das Werk hat 777 Pfeifen mit 14 Registern: In den Zahlen verbirgt sich bewusst eine Symbolik um die Zahlen 7 und 3.

Der Raum vor der Sommersakristei wurde, um für die vielen Besucher der Stiftskirche eine Möglichkeit zum stillen Gebet zu schaffen, 1999 nach Ideen von Architekt Hans Hoffer umgestaltet. Im Mittelpunkt steht jetzt der gläserne Tabernakel mit dem Allerheiligsten. Dahinter ist der gotische Kruzifixus aus dem Jahr 1478, der im Volksmund „Zahnwehherrgott“ genannt wird, weil angeblich zahnwehgeplagte Gläubige Holzspäne aus den Füßen des Kruzifixes abgebrochen und in die Zähne gesteckt haben.

Die Marienstatue mit Kind ist ein Werk des Kleinpöchlarner Bildhauers Andre Stolz (1771) und gehörte ursprünglich zur barocken Einrichtung der Melker Stadtpfarrkirche.

 

Quelle: Burkhard Ellegast, Das Stift Melk, Eigenverlag des Stiftes Melk 2007

 

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Pfarrkirche Melk

Die ursprüngliche Pfarrkirche war als Stephanskirche auf dem Höhenrücken östlich des Klosters erbaut worden und dem Bistum Passau zugehörig. Für die Melker Bürger etwas entlegen, errichteten sie im 15. Jahrhundert im Markt selbst eine Marienkapelle, auf die 1508 die pfarrlichen Rechte übertragen wurden. Da die Pfarre und der Pfarrer nicht dem Melker Stift und Abt unterstanden, tauschte man sie 1693 ein. Seitdem unterstehen sie der klösterlichen Betreuung und Verwaltung.

Die gotische Hallenkirche entstand zwar im 15. Jahrhundert, wurde jedoch nach einem Großbrand ab 1847 stark erneuert, und zwar so eindrucksvoll regotisiert, dass die im 18. Jahrhundert eingeführte barocke Einrichtung wieder entfernt wurde. Der dreischiffige und vierjochige Kirchenbau mit dem Netzrippengewölbe wurde in seiner ursprünglichen Form und klaren Stilrichtung wieder betont und auch entsprechend ausgestattet.

Die Einheitlichkeit der neugotischen Einrichtung der Altäre, der Kanzel, der Kreuzwegreliefs, des Chorgestühls, der Bänke und des Bodens macht die Pfarrkirche zu einem stilvollen Beispiel der Neugotik aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der reiche, geschnitzte Figuren- und Reliefschmuck zeigt die beliebten Patrone gegen Krankheit, Katastrophen und aus dem Benediktinerorden sowie Szenen aus dem Jesus- und Marienleben. Erwähnenswert sind die vielen Grabdenkmäler an der Außenseite der Kirche und insbesondere die außergewöhnlich schöne Ölbergszene. Die fast lebensgroßen, vollplastischen Figuren sind ein besonderes Beispiel der Donauschule Österreichs aus 1502/03, vermutlich aus der Werkstatt des bekannten Bildhauers Kriechbaum.

 

Quelle:
Dr. Gerhard Floßmann
www.kirchen-am-fluss.at/melk-pfarrkirche

 

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